Señor Coconut y Su Conjunto - El Baile Aleman PDF Drucken

Die Songs von Kraftwerk mit lateinamerikanischen Rhythmen? Uwe Schmidt, ein in Chile lebender Deutscher, hat es ausprobiert. Foto: PRKraftwerk tanzt Cha-Cha-Cha in der Tanzschule

Gegensätze ziehen sich an, heißt es in der Liebe. Und in der Musik? Muss nicht, aber kann. Uwe Schmidt, ein Frankfurter Elektro-Tüftler, der unter 60 Pseudonymen remixt und produziert, hat sich an eine Mammutaufgabe gewagt - und gewonnen. Das betone ich deshalb, weil es durchaus auch hätte schief gehen können. Denn er hat ausgerechnet die Musik von Deutschlands Über-Band Kraftwerk geremixt.

Wenn Schmidt Rhythmen aus Lateinamerika verwendet, um die Tanzflächen zu fluten, dann nennt er sich Señor Coconut. Und genau dieser hombre macht sich nun an den Meisterwerken der Düsseldorfer Elektro-Avantgardisten zu schaffen, doch - und das ist die wahre Kunst - ohne ihren Charakter zu zerstören oder sie albern wirken zu lassen. Wer es nicht gut findet, von Majestätsbeleidigung oder Stilbruch quasselt, muss über Schmidts solides Handwerk wenigstens anerkennend schmunzeln.

Wer aber ohne musikgeschichtliches Hintergrundwissen das Album abspielt, wird gar nicht merken, dass es sich um Remixe handelt. Wenngleich die Hymnen "The Robots", "Autobahn" und "Music Non Stop" selbst der Laie schon mal gehört hat - vielleicht nicht auf Radio Energy, aber im Zündfunk auf Bayern 2. Aber den hören ja eigentlich auch nur wieder echte Aficionados. Egal. Jedenfalls legt Uwe Schmidt alias Señor Coconut zum zehnjährigen Jubiläum seines Pseudonyms all sein Fingerspitzengefühl an den Tag, um den knorrigen, kühlen Elektro-Stücken die Latino-Seele einzuhauchen.

Zum Warmwerden macht er aus dem ohnehin verspielten "Showroom Dummies" einen Cha-Cha-Cha. Über "Trans Europe Express" legt er einen wie eine Dampflok schnaufenden Cumbia-Rhythmus, bei dem es beim Zuhörer in den Beinen zuckt. "Homecomputer" und "Tour de France" sind heiße Merengues. "Expo2000", für das Kraftwerk damals angeblich eine kleine sechsstellige Summe von den Organisatoren der Weltausstellung in Hannover bekommen haben soll, ist ein Mambo. Die Gesangseinlagen sind übrigens nicht die von Kraftwerk, sondern wurden nachgesungen von einem chilenischen Polit-Rocker namens Jorge Gonzalez und Argenis Brito von Mambotour.

Es würde mich nicht wundern, wenn man diese CD auch bald in den Tanzschulen hören würde. Die Tangos von Gotan Project zum Beispiel werden dort ja auch gespielt. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte, von der ich an dieser Stelle in Kürze schwärmen werde. 

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MARTIN SCHANO

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