Boozoo Bajou - Coming Home PDF Drucken

Die neue Compilation des ehemals Nürnberger Labels Boozoo Bajou ist echt hörenswert! Foto: PREin Moment zum Mitnehmen

Als die ersten Sonnenstrahlen dieses Frühlings meinten, mich beeindrucken zu müssen mit ihrer Präsenz - also an Ostern. Ich schwang mich aufs Rad, ließ dabei die Jacke offen und fuhr auf den Burgberg. Der Anstieg so steil, der Durst so groß, Endstation Cafe "Wanderer". Obwohl der Albrecht-Dürer-Platz ein Wespennest für Touristen ist, sitzen dort viele Einheimische auf einen Kaffee oder ein Bier. Beim Anblick tiefenentspannter Menschen hinter ihrem Seidlä zucke ich kurz, entscheide mich aber aufgrund der noch frühen Uhrzeit aber für eine Apfelschorle aus Pretzfeld. Hinsetzen, Jacke ganz aus, MP3-Player-Stöpsel ins Ohr, Leute beobachten, ab und zu blendet die Sonne. Im Player läuft: Die neue Compilation des Labels Stereo Deluxe.

Das ehemals in Nürnberg beheimatete Label, nach dem der damalige "Stereo Deluxe Club" benannt war (heute das Stereo), befindet sich mittlerweile in Berlin, gehört zu Ministry of Sound. Die Compilationreihe "Coming Home" aber gibt es seit den Anfangstagen. Nouvelle Vague und Nightmares On Wax haben schon Lieder dafür zusammengestellt - da ist es klar, dass da alte Seilschaften bedient werden und eine der ganz Großen aus Nürnbergs Musikszene zum Kompilieren gebeten werden: Boozoo Bajou. 

Florian Seyberth und Peter Heider haben erst im vergangenen Jahr ihr drittes Album veröffentlicht und sind weltweit in den Clubs gern gesehene DJ-Gäste, wenn es darum geht, Jazz, Downbeat, Reggae und Soul zu vermixen. Zumindest verrät dies ihre eigene Mix-Reihe "Juke Joint". Die gemeinsamen Bookings mit House-DJs hat aber ihre Spuren hinterlassen, und so kann es passieren, dass Seyberth und Heider auch zu schnelleren Takten greifen. "Eigentlich geht es letztendlich doch um den richtigen Sound zur richtigen Zeit. In einem Moment kommt Musik von Sarah Vaughan gut, und dann muss im nächsten Augenblick halt mal ein Track von Move D her!", sagt Flo Seyberth.

Der Moment, den Boozoo Bajou bei "Coming Home" auf eine gute Stunde verdichtet haben, ist auf jeden Fall ein mitreißender und - das ist das Praktische - ein übertragbarer. Ein Moment zum Mitnehmen, der so in einem Nachtclub in New York stattgefunden haben könnte, aber auch in Buenos Aires, Madrid, Prag oder... am Albrecht-Dürer-Platz in Nürnberg. Der Mix kurbelt sich langsam nach oben, von einem Jazz-Intro über einen Dub-Mix des Boozoo-Bajou-Liedes "Fürsattel" wird es dann immer spinnerter, etwa mit "Saona" von Nora Morales, einem dermaßen funky, aber auch mystisch verschwurbelten House-Track, bei dem das Bein zuckt und der Nacken mitgeht. Schließlich ein bisschen Dancehall-Vibes mit Boozoos "Killer" gefolgt von Afro-Beats des House-Weltenbummlers Henrik Schwarz.

Zum Ende hin wird es dann minimalistischer, was die Instrumentierung angeht, allerdings nie ohne den typisch dubbigen Hall-Effekt in jedem Lied, der für mich den Boozoo-Sound ausmacht. Da zeigen sie, wo sie herkommen, wenn sie heimkommen. Vielleicht heißt der Mix deshalb auch: "Coming Home".

Unsere Bewertung:

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MARTIN SCHANO

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