Leslie gibt anderen Mädchen ihre Stimme PDF Drucken

Leslie geht in die 10. Klasse – und hat einen ungewöhnlichen Schülerjob. Foto: PRDie 16-jährige Schülerin jobbt als Synchronsprecherin

Mit kleinen Arbeiten das Taschengeld aufbessern – das machen fast alle Schüler. Nicht alle haben allerdings so einen außergewöhnlichen Job wie Leslie-Vanessa Lill: Die 16-jährige Gymnasiastin aus München jobbt neben der Schule als Synchronsprecherin. Sie ist zum Beispiel die deutsche Stimme der Hauptfigur in der australischen Jugendserie „Meine peinlichen Eltern“.

 


Leslie, andere Schüler verdienen sich Geld mit Babysitten oder als Aushilfe in einem Café. Wie kommt man auf die Idee, Synchronsprecherin zu werden?

 

Leslie: Meine Mutter ist Maskenbildnerin, mein Vater hat als Tonmeister gearbeitet. So kam ich schon als Kind mit der Filmbranche in Berührung. Mit vier habe ich in einem Werbespot für Erasco mitgespielt: Ich habe meiner Werbemutter beim Suppekochen zugeguckt. Mit sechs habe ich dann in einem richtigen Film mitgewirkt. Da mussten wir die Filmszenen nachvertonen – also habe ich mich selbst synchronisiert. So ging’s los.

Wie muss man sich deine Arbeit vorstellen?
 

Leslie: Ich spreche meistens junge Rollen. Bei kleinen Aufträgen rufen die Aufnahmeleiter der Produktion einfach an. Bei größeren Rollen gibt es ein richtiges Casting. Aber es gibt in München nur wenige Sprecher in meinem Alter. Wir kennen uns – und mit manchen bin ich befreundet. Wenn ich als Sprecherin gebucht bin, gehe ich nach der Schule für zwei, drei Stunden ins Studio. Da steht man dann im Dunklen vor einem Monitor. Ich kriege den Filmausschnitt mit Originalton vorgespielt, anschließend das Bild ohne Ton. Dazu muss ich dann sprechen.

Ist synchronsprechen schwierig?

Leslie: Ich muss den Text ganz schnell auswendig lernen – denn schließlich muss ich auf die Szene gucken und darf nicht ablesen. Außerdem geht es nicht nur ums Sprechen, sondern durch die Sprache werden auch Gefühle transportiert. Ich muss also mal tief atmen, schluchzen, weinen. Das ist schwierig, wenn dazwischen immer wieder Text kommt.

Wie lange dauert es, bis eine Folge von „Meine peinlichen Eltern“ synchronisiert ist?
 

Leslie: Manchmal klappt ein Take aufs erste Mal. Manchmal muss man eine Sprechszene fünf, sechs Mal wiederholen. Der Cutter im Studio guckt, ob die Lippenbewegungen passen und draußen prüft der Regisseur Ton und Bild. Bei „Meine peinlichen Eltern“ habe ich drei bis vier Stunden am Tag gesprochen – das war ungefähr eine halbe Folge.

Und ist der Job gut bezahlt?
 

Leslie: Ich verdiene schon mehr als wenn ich babysitten würde. Das Geld spare ich für den Führerschein.


Interview: KRISTINA BANASCH


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