„Berührungsängste darf man keine haben“ PDF Drucken

Lehrling Christoph legt das Rohr mit dem Schlagbohrer frei, um das Leck aufzuspüren. Foto: Stefanie Goebel Christoph hat seinen Traumjob gefunden: Er wird Anlagenmechaniker für Sanitär- und Heizungstechnik

 Wo ist das Leck? Christoph setzt vorsichtig den Schlagbohrer auf den Fliesen an, und schon erfüllt ein ohrenbetäubendes Rattern das kleine Badezimmer. Fliesenteile fliegen dem Azubi entgegen, Steinchen bröckeln aus der Wand, und weißer Staub verteilt sich im ganzen Raum. Christoph Schneidt macht eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

 

Sein Kollege Christian Jobst lässt den Lehrling die Wand aufschlagen, um eine undichte Stelle in der Wasserleitung freizulegen. „Berührungsängste darf man keine haben." Bevor der Schlagbohrer an der Wand angesetzt wird, muss Christoph das Klo vom Abwasserrohr abziehen und es beiseite stellen. Ein beißender Geruch liegt kurzzeitig in der Nase, doch der 17-Jährige macht unbeeindruckt weiter. „Wir müssen jetzt schauen, wo der Fehler ist."

Schmutz gehört zum Alltag

Mit dem Werkzeug öffnen Geselle und Lehrling abwechselnd Wand und Boden. Das Bad hat sich binnen kurzer Zeit in eine staubige Baustelle verwandelt.

Um sieben Uhr morgens schon haben Monteure und Lehrlinge der Firma Engelhardt im Hof gestanden und auf ihre Aufträge gewartet. Sie unterhalten sich und erzählen Witze. „Es macht Spaß, am Morgen mit den Kollegen zusammenzutreffen. Wir haben viel Gaudi, und wir verstehen uns gut", erzählt Christoph, der seit einem Jahr in der Firma lernt. Dann steigen alle in ihre Transporter und fahren zu ihren Kunden — in einen immer wieder überraschenden Arbeitstag.

„Unschöne Arbeiten gehören genauso zum Beruf, aber was sein muss, muss sein", sagt Christoph. Diese Einstellung hat der verantwortungsbewusste junge Mann in blauer Latzhose und Sicherheitsschuhen schon immer. Anlagenmechaniker ist sogar sein Traumberuf, erzählt der kurzhaarige Blonde mit einem Grinsen im Gesicht. Das hat er in seinen Praktika festgestellt. Christoph hat sich mittlerweile auch an die körperliche Arbeit gewöhnt. Ein Bürojob sei nichts für ihn. Er liebt die Abwechslung und das tägliche Erfolgserlebnis.

Er erinnert sich mit Stolz an einen Badumbau in einer Villa. Dort hat er die Wasserleitungen, Waschbecken, Toilette und Badewanne selbst eingebaut. „Ich kann meinen Freunden zeigen, was ich gemacht habe. Das motiviert mich." Seine Eltern stehen hinter seinem Berufswunsch, die Mutter wusste schon immer, dass Christoph etwas Handwerkliches machen wird. Auch in seiner Freizeit betätigt sich der angehende Geselle handwerklich. Als Pfadfinder lernt er den Umgang mit verschiedenen Werkzeugen und baut gerne Zelte auf.

Mit einem Aufheulen der „Flex" schneidet Geselle Christian das undichte Rohr durch, Funken sprühen. „Das überlasse ich lieber meinem Kollegen. Man kann leicht abrutschen und viel kaputt machen. Aber außer kleineren Schnittwunden hatte ich noch keine Verletzungen", erzählt Christoph, als der Lärm aufhört. Jetzt kann das neue Rohr angepasst und angepresst werden.

Die Ausbildung zum Anlagenmechaniker dauert dreieinhalb Jahre. Momentan gibt es im Raum Nürnberg/Fürth 250 Lehrlinge. „Es ist schwieriger geworden, da die halbwegs guten Schulabsolventen in die besser zahlende Industrie gehen", bedauert Claudio Paulus, Inhaber der Firma Engelhardt. Der Verdienst staffelt sich von 470 Euro im ersten bis zu 630 Euro im vierten Lehrjahr.

Voraussetzungen für die Ausbildung sind gute Mathematik- und Deutschkenntnisse und ein guter Quali. In der Berufsschule sind neben Theorie auch praktische Übungen in den eigenen Werkstatthallen vorgesehen. „Das erste Jahr fand ich ziemlich langweilig, da ich an der Hauptschule den M-Zweig besucht habe und vieles schon kannte. Jetzt im zweiten Lehrjahr lernen wir Interessanteres — wie zum Beispiel die verschiedenen Arten der Trinkwasserförderung."

Christoph möchte später als Geselle gerne in der Firma bleiben. Die Installation von Trink- und Abwasserleitungen, Heizungsbauten und Kundendienste lassen bei ihm keine Langeweile aufkommen. Zwölf Uhr mittags. Das neue Rohr ist mit viel Klebeband umwickelt und der Schutt aufgekehrt, der Feierabend nicht mehr weit. „Das ist das Schöne am Handwerk. Freitags ist man schon eher daheim und kann das Wochenende genießen." Trotzdem muss ein Monteur flexibel sein, denn die Arbeitszeit endet nicht zu einer bestimmten Uhrzeit, sondern wenn das Problem gelöst ist. Und das kann manchmal dauern.

Stefanie Goebel

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