Auf der Höhe der Zeit PDF Drucken

Bianca Bleiziffer macht eine Uhrmacher-Ausbildung

Eine gemütliche Stube, warmes Licht. In jedem Winkel Uhren aus dunklem, duftendem Holz, mit goldenen Zifferblättern, endlos vor sich hin tickenden Zeigern und gemächlich schwingenden Pendeln. Mysteriöse Uhrwerke, in denen Hunderte von Rädchen auf wundersame Weise ineinandergreifen. Dazwischen ein schrulliger Kauz, ein bärtiger Verwalter der Zeit. So stellt man sich eine typische Uhrmacherwerkstatt vor. "Die Leute denken immer, man sitzt den ganzen Tag im dunklen Kämmerchen und repariert alte Uhren", empört sich Bianca Bleiziffer. Die 18-Jährige macht seit September eine Uhrmacherlehre, könnte mit ihrem langen braunen Haar und ihrem adretten Auftreten aber ebenso gut in einer PR-Agentur sitzen.

 

Doch ihre Lehre macht Bianca in der Eibacher Hauptstraße 42, wo seit 120 Jahren Uhren repariert werden, seit 24 Jahren von ihrem Vater, Josef Bleiziffer. "Uhrmacher sind intelligente Menschen. Sie müssen logisch denken können, sehr viel Geduld haben und mit ruhiger Hand arbeiten", sagt der Vater, der auch Obermeister der Innung Mittelfranken ist. 480 Uhrmacherlehrlinge gibt es in Deutschland, sieben davon in Mittelfranken.

Auf Frankensteins Spuren

Die Restauration antiker Uhren ist nur ein kleiner Teil von Biancas Ausbildung. Vor allem mit mechanischen und Quartzuhren muss sie sich auskennen. Und die Kunden professionell beraten können. In einem freundlichen Verkaufsraum, nicht im verstaubten Hinterzimmer.

Bianca faszinieren Uhren seit ihrer Kindheit. Schon als kleines Mädchen ist sie durch die Werkstatt gewuselt. "Wir hatten eine riesengroße Standuhr. Als kleines Kind habe ich mich immer gefragt, woher das Schlagding denn jetzt weiß, wie spät es gerade ist", erzählt sie. Jetzt erlebt sie die Macht des Uhrmachers: "Man fühlt sich wie Frankenstein, wenn man wieder was zum Leben erweckt hat."

Ständiger Begleiter in Biancas dreijähriger Lehrzeit ist ihr Ausbilder, Ralf Junghänel. Sein prüfender Blick wird durch die Lupe, die vor dem Auge klemmt, nur noch durchdringender. Das Lob des Ausbilders ehrt besonders, denn einfach verdient ist es nicht.

Schon das Polieren der Metallzapfen von Zahnrädchen ist eine frustrierende Aufgabe. Bianca rutscht immer wieder ab, lässt die Rädchen auf den Boden fallen oder feilt sich schmerzhaft in die Hand. Immerhin: Mittlerweile muss Bianca schon seltener zum Pflaster greifen.

Die Ausbildung hat auch andere Nebenwirkungen: "Ich bin ein ruhigerer Mensch geworden", meint Bianca. Und ordentlicher dazu: In der Schule unterstreicht sie alles brav, und in ihrem Zimmer räumt sie alles auf seinen Platz. Als Kind wollte sie noch Polizistin werden, als Uhrmacherin tanzt Bianca nun auch in ihrem Freundeskreis aus der Reihe. Ganz bewusst: "Ich wollte einen Beruf mit Tradition, bei dem die Leute einen Aha-Effekt haben."

Im ersten Lehrjahr hat sie 14 Wochen Blockunterricht an der Uhrmacherschule in Würzburg, die restliche Zeit arbeitet sie in Eibach. Grobe, selbst gezeichnete Pläne von den Uhren liegen auf ihrem hölzernen Arbeitstisch, wenn aus den rätselhaften Einzelteilen in der Kiste wieder ganze Uhren werden - schließlich soll jedes Rädchen am Ende wieder seinen Platz finden. Damit sie nicht verloren gehen, klebt Bianca sogar die Ritzen zwischen Schreibtisch und Fußboden ab. Zuerst hat sie nur alte Wecker repariert, nach zwei Monate kam der erste Kundenauftrag: eine alte Wanduhr. "Da war ich viel nervöser", meint sie. Die Wanduhr hat Bianca wieder zum Ticken gebracht. Zumindest für ein paar Tage. Dann ist sie wieder verstummt.

Mit Peter Henlein, dem berühmten Nürnberger Schlosser, der Anfang des 16.Jahrhunderts die erste tragbare Uhr erfand, kann Bianca also noch nicht wetteifern. Schon im zweiten Lehrjahr sollte sie aber relativ selbstständig arbeiten können. Ihre Zukunftschancen stehen nicht schlecht: "Der Trend geht eindeutig zurück zur mechanischen Uhr", sagt Josef Bleiziffer. Und die kann nur ein Uhrmacher reparieren.

Der braucht nicht unbedingt die mittlere Reife, wie Bianca sie hat, ein Hauptschulabschluss und eine ruhige Hand genügen. Bianca will nach der Ausbildung sogar noch Abitur machen und in Frankfurt eine Ausbildung zur Restauratorin drauflegen. Damit kann sie dann auch antike Uhren reparieren. Die mit den vertrackten Uhrwerken, bei denen Hunderte von Rädchen ineinandergreifen - ganz nach dem Willen des Uhrmachers.

Martin Müller

 

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kai  - uhrmacher   |IP-93.211.45.xxx |17-03-2010 12:24:22
Wo kann man in Würzburg eine Uhrmacher-Ausbildung machen?

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