,Man erlebt schwere Schicksale mit‘ PDF Drucken

Betreuung und Pflege, das sind die zwei Arbeitsschwerpunkte eines Sozialbetreuers. Bei einem Praktikum im Altenheim hilft Berufsschülerin Jacqueline einer alten Dame beim Frühstück  Fotos: Weigert, Distler  Schüler der Berufsschule berichten über ihre Ausbildung zum Sozialbetreuer


Viele Schüler wollen in ihrem späteren Berufsleben gern „anderen Menschen helfen“. Doch wie erlangt man einen solchen Beruf, wenn man noch nicht alt genug ist oder nicht den passenden Schulabschluss hat, um Krankenpfleger, Altenpfleger oder Physiotherapeut zu lernen? In diesem Fall kann die Berufsfachschule für Sozialpflege an der B7 in Nürnberg helfen: Hier werdet ihr in zwei Jahren zum Staatlich geprüften Sozialbetreuer ausgebildet.


Um einzusteigen müsst ihr lediglich zwei Dinge vorweisen: einen Hauptschulabschluss (möglichst Quali) und ein „Schnupperpraktikum“ im sozialen Bereich. Von Vorteil sind außerdem ein paar menschliche Stärken: „Man sollte offen auf Leute zugehen können und sich nicht vor Alten oder Behinderten ekeln“, sagt Renato (17) aus der Klasse S11a der B7. Mitschülerin Jeanine (19) ergänzt: „Berührungsängste sind fehl am Platz. Man muss sich schon zutrauen, andere zu waschen oder zu windeln.“


Wie man das fachgerecht macht, lernen die Schüler während ihrer zweijährigen schulischen Ausbildung. Neben klassischen Fächern wie Deutsch und Sozialkunde stehen fünf fachspezifische Lernfelder auf dem Plan: In „Grundlagen der Pflege und Betreuung“ lernen die Schüler den Aufbau des menschlichen Körpers, den Umgang mit Sprachstörungen oder das Schreiben von Pflegeprotokollen. Im Bereich „Pflege und Betreuung“ geht es beispielsweise darum, wie man Menschen bei ihrer täglichen Körperpflege unterstützt oder Sterbehilfe leistet. Im Lernfeld „Lebenszeit- und Lebensraumgestaltung“ werden gymnastische und kreative Angebote entwickelt. Und unter dem Schlagwort „Hauswirtschaftliche Versorgung“ geht es etwa um das Zusammenstellen von gesunden Menüs.


Zu dieser theoretischen Ausbildung gesellen sich drei sozialpflegerische Praktika: eines im Altenheim, eines im ambulanten Pflegedienst oder Krankenhaus und ein drittes in einer
Dabei werden die Schüler durchaus auf harte Proben gestellt. „Man erlebt zum Teil schwere Schicksale mit“, sagt Constantin (21). Und Juliane (25) muss sich so manches Mal in Geduld üben: „Gerade die Pflege bei älteren Leuten dauert lang. Manchmal will man denen schon den Waschlappen wegnehmen und sie selbst waschen, aber das darf man nicht.“


Die meisten Schüler der Klasse S11a haben schon privat Erfahrungen im Umgang mit kranken oder behinderten Menschen gesammelt. Renato etwa hat seinen Opa vier Wochen lang gepflegt, gebadet, auf die Toilette gebracht. Das war der Auslöser für seinen Berufswunsch und hilft oft im Arbeitsalltag. „Wenn’s mal eklig wird, stell’ ich mir vor, dass das meine Eltern wären – dann ist’s okay.“


Für ihn und seine Mitschüler ist die Ausbildung zum Sozialbetreuer nicht das Ende der Karriereleiter(siehe auch Extra-Info unten). Renato zum Beispiel will an der B7 seine Mittlere Reife nachholen – die wird am Ende der zwei Jahre bei entsprechend guten Noten anerkannt – und dann eine Lehre zum Altenpfleger beginnen.


Isabella (17) möchte sich zur Hebamme weiterbilden, Chelsea (17) will Krankenschwester werden, und Denise (18) strebt eine Ausbildung zur Physiotherapeutin an. „Die Berufsschule ist dafür ein gutes Sprungbrett, denn hier lerne ich zum Beispiel die menschliche Anatomie“, sagt sie.
Jeanine und Juliane streben sogar ein Studium an: Wenn sie die Mittlere Reife schaffen, können sie zur Berufsoberschule wechseln und dort ihr Abitur machen. Jeanine möchte Ärztin werden. Sie weiß, dass dafür ein langer Weg vor ihr liegt, „aber ich habe genug Durchhaltevermögen“.


Juliane liebäugelt mit einem Studium in Sozialer Arbeit und einem Job als Streetworkerin – nicht zuletzt wegen ihres eigenen Lebenswegs: „Ich war selbst eine Weile arbeitslos, hing nur rum und hatte Freunde, die in Alkohol und Drogen versumpft sind. Jetzt will ich anderen helfen, da rauszukommen.“

ANNIKA PEISSKER

Ihr interessiert euch für die Ausbildung zum Sozialbetreuer? Dann kommt doch zum Tag der Offenen Tür: Am Freitag, 16. Oktober, könnt ihr euch von 11 bis 16 Uhr in der B7, Pilotystraße 4 in Nürnberg, informieren. Das genaue Programm steht unter www.kubiss.de/b7

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