| Auch Astronauten brauchen einen Trainer |
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Klar, Medizinstudenten werden mal Ärzte, und Jurastudenten werden Anwälte oder Richter. Aber junge Menschen, die einen etwas exotischeren Studiengang gewählt haben, müssen sich ständig die Frage anhören: „Und was willst du damit später machen?" In loser Folge stellen wir Leute vor, denen es genauso ergangen ist – und die trotz aller Skepsis einen guten Job gefunden haben ...
Laura Winterling (27) hat an der Uni Bayreuth Physik studiert und arbeitet jetzt bei der European Space Agency (ESA). Frau Winterling, Bundeskanzlerin Angela Merkel ist promovierte Physikerin – das ist ja wohl eine eher seltenere Berufswahl. Gibt es denn einen typischen Physiker-Beruf? Laura Winterling: In den Köpfen gibt es noch dieses Klischee vom Physiker mit Hochwasserhose, Birkenstocksandalen und Brille. In der Realität existiert jedoch kein so klares Berufsbild. Zwar bleiben viele Physiker an der Uni zum Promovieren und gehen danach in die Forschung oder in die Industrie. Andere hingegen haben eher ein wirtschaftliches Interesse und können zum Beispiel bei Beratungsfirmen einsteigen. Auch im IT-Bereich bekommen viele Physiker einen Job. Das Berufsfeld von Physikern ist sehr vielfältig, und es kommt stark auf die persönlichen Interessen des Einzelnen an, was er macht. Was ist denn Ihre berufliche Tätigkeit? Laura Winterling: Ich bin Trainee beim Europäischen Astronautenzentrum EAC in Köln, das unter anderem für das Training der europäischen Astronauten verantwortlich ist. Mit diesem Trainee-Programm können Leute, die frisch von der Uni kommen und an der Raumfahrt interessiert sind, an verschiedenen Standorten der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA Fuß fassen. Das Ganze basiert auf einem einjährigen Vertrag, der bei mir bald ausläuft. Meine Aufgabe war es, ein Handbuch für das Eurocom-Team zu erstellen: Eurocom ist die „Houston-wir-haben-ein-Problem"- Abteilung, die aus etwa zwölf Mitarbeitern besteht. Die sind die einzigen, die mit den Astronauten kommunizieren dürfen, während diese im Weltall sind. Das Handbuch soll neuen Leuten den Einstieg erleichtern. Um dieses Handbuch zu schreiben, hatte ich Gelegenheit, das Kontrollzentrum in München zu besuchen, bei Simulationen teilzunehmen und eng mit einigen Astronauten zusammenzuarbeiten. Und was machen Sie nach der Trainee- Zeit? Laura Winterling: Bei meiner neuen Stelle werde ich Astronauten trainieren. Für die Astronauten gibt es Lehrer, die ihnen zum Beispiel technische Abläufe erklären. Auch sämtliche Experimente, die im europäischen Modul der Internationalen Raumstation ISS durchgeführt werden, müssen vorher intensiv trainiert werden. Wie sind Sie zu diesem Job gekommen? Durch Vitamin B? Laura Winterling: Nein, gar nicht. Ich war schon immer an Raumfahrt interessiert, wollte aber nicht Luftund Raumfahrt studieren, sondern eben Physik. Ich wusste aber, dass es das Astronauten-Zentrum in Köln gibt. Dorthin habe ich im 7. Semester eine Exkursion organisiert. Da stand ich im Foyer und dachte: Wow, das wäre cool, hier zu arbeiten! Und als ich mit meiner Diplomarbeit zur Hälfte fertig war, habe ich mich dort beworben. Hatten Sie Bedenken, als Frau Physik zu studieren? Laura Winterling: Ich habe nach dem Abitur nicht gleich studiert, sondern war erst ein Jahr in den USA. Dort hatte ich genug Zeit herauszufinden, ob Physik wirklich das Richtige ist. Es gab genug Leute mit Sprüchen, wie: „Das ist zu schwer, das wird die Hölle". Aber in Bezug auf so etwas hatte ich zum Glück verstopfte Ohren. Ich habe mich dann für Physik eingeschrieben und es wirklich nie bereut. Es ist sicherlich kein leichtes Studium, aber es werden auch nicht nur Genies gesucht. Man braucht einfach Spaß und Interesse an der Physik. Gab es Momente, in denen Sie am liebsten alles hingeschmissen hätten? Laura Winterling: Nein. Klar bin ich mal bei Klausuren durchgeflogen. Aber dann macht man sie halt nochmal. Während meines Studiums habe ich mich manchmal gefragt, was aus mir werden soll. Aber im Nachhinein hätte ich mir weniger Gedanken machen sollen. In manchen Jobs gibt es kaum Abwechslung. Ist das bei Ihnen anders? Laura Winterling: Ja! Ich habe zwar einen Bürojob und sitze oft stundenlang vor dem Computer. Aber dann fahre ich zum Beispiel mit nach München zum Kontrollzentrum oder nach Florida zum Start eines Shuttles. Ich gehe durch die Gänge und die Astronauten Hans Schlegel oder Thomas Reiter sagen „Hi Laura, wie geht’s?". Jeder Tag ist mit vielen schönen Details gespickt – und Routine existiert nur nebenher. Interview: CELINE FISCHER
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