| Vom Autofahrer bis zum Zebrastreifengeher |
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Viele Wege führen auf den Campus. Irgendwie muss ja jeder zur Uni kommen – denn die wenigsten Kommilitonen übernachten auf den unbequemen Klappstühlen im Audimax oder campen gar auf dem Rasen vor dem Hörsaal. Celine Fischer hat an der Uni Bayreuth verschiedene Formen der studentischen Bewegung beobachtet und daraus eine kleine Typologie entwickelt. Der Guerilla-Pedaleur Nur ein leises Surren kündigt den Guerilla-Pedaleur an: Unter großzügiger Missachtung jeglicher Vorfahrtsregelungen radelt er mitten auf der Straße in todesverachtender Weise den Toren der Uni entgegen. Der Dschungel aus Abbiegespuren, gefährlichen Ampelkreuzungen und Querbeschuss durch unvernünftige Busse wird in möglichst kurzer Zeit durchquert. Kollateralschäden nimmt der Guerilla-Pedaleur billigend in Kauf. Der Kreisverkehr ist ein Hindernis: Warum im Kreis, wenn es einen direkten Weg gibt? Auf zwei Reifen durch dick und dünn – das schweißt das Stahlross und seinen Besitzer nicht nur bei Blitzschlag zusammen: Mancher Fahrradbesitzer hat sein Eigentum auf einen zärtlichen Namen getauft. Andere geliebte Pedalmaschinen dürfen sich im Hauptquartier des Pedaleurs, gleich zwischen Bett und Schreibtisch, von den Strapazen der alltäglichen Schlacht erholen. Der Pedomane So weit die Füße tragen, lautet das Motto des Fußgängers – meistens wohnhaft im nahe gelegenen Studentenwohnheim. Mitunter soll es allerdings auch Hardcore-Pedomanen geben, die von ihrer WG im trendy Außenviertel der Stadt barfuß, mit Lederrucksack und einem breiten Grinsen bewaffnet bis zur Uni laufen. Dabei sind diese Studenten meistens gut gelaunte Frühaufsteher, die gerne „die Morgensonne und die frische Luft“ genießen. Dass die „frische Luft“ meist schon mehr als einen Katalysator von innen gesehen hat, bleibt unerwähnt. Der Pedomane verachtet die Weicheier, die bei Regen schon mal auf Bahn, Bus oder Co. umsteigen. Selbst Schneestürme, Überflutungen und andere Wetterphänomene bringen diesen puristischen Zeitgenossen nicht vom rechten Pfad ab, im Gegenteil: Was ihn nicht wegweht, macht ihn noch stärker. Anstatt kalt zu duschen, würde der Pedomane am liebsten gleich in flüssigem Sauerstoff baden. Der Bus-Hering Wer zu faul zur Inanspruchnahme der eigenen Muskelkraft ist, aber auch nicht das eigene Auto nutzen möchte (zum Beispiel, weil er gar keines hat oder weil es von einer Parkkralle lahmgelegt wurde), der nutzt das Großraumtransportmittel auf Rädern, den Bus. Aber auch Führerscheinentzug durch übermäßigen Alkohol-Genuss, Idealismus oder eine ausgeprägte Liebe zur Lebenswelt von Ölsardinen könnten der Grund sein: Enge und Schweißgeruch des Sitznachbarn, kurz, die rollende Sauna gehören zum täglichen Lebensinhalt des Busnutzers. Busfahren hat durchaus positive Effekte, wie beispielsweise ein perfektes Training des Gleichgewichts bei mangelnder Sitzplatzgelegenheit. Sehr nett, wenn man gerade gefrühstückt hat. Busfahrer schätzen besonders die freundlichen Mit-Fahrgäste: Sehr beliebt sind rüstige Rentnerinnen, die sich – genüsslich Erdnüsse mampfend – auf ihren Museumsbesuch freuen und nebenbei ihre Krankengeschichten im Stil eines Pharmavertreters erzählen. Gerne gesehen sind natürlich auch pubertierende Pickelgesichter, die lautstark den voll besetzten Bus mit markanter Musik beschallen. Die gleichen Widrigkeiten – nur auf unterirdischem Niveau – erfahren natürlich auch die Kollegen, die mit U-Bahn zur Uni kommen. Der Autopilot Mit Karacho zur morgendlich Vorlesung: Dann kann Student immerhin ein bisschen länger schlafen und vom nächsten Karibikurlaub, dem feinen weißen Sand und der Sonne träumen. In der Realität bekommt der Autopilot seine Bräune meist vom Blitzlichtgewitter der Geschwindigkeitsmessungen. Das Auto – entweder schneller Schlitten, sponsored by Omi, oder verbeulter Citroen aus eigener Tasche gezahlt – verhindert aber nicht die Verspätung: Denn der Stau im Berufsverkehr ist absolut und in keiner Weise kalkulierbar – im Gegensatz zu der hohen Dreh- und Dezibelzahl, die dem gemeinen Kommilitonen die geschätzte Ankunftszeit des Autopiloten ankündigt. Was natürlich nicht bedeutet, dass ein geistiger Tiefflieger hinter dem Steuer sitzt – auch intellektuelle U-Boote sind schon beim Einparken gesichtet worden. Lästige Gegner des Autopiloten sind Schulkinder (vor allem en masse), Busse, Fahrräder und rote Ampeln – eigentlich alle anderen Teilnehmer am Straßenverkehr und dessen Regeln selbst. CELINE FISCHER
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