Enzian und Edelweiß für die digitale Sammlung PDF Drucken

Schwalbenwurz-Enzian Foto: Gerhard Brunner Eindrücke von einer Exkursion der Erlanger Geobotanik
 

im Lauf dieses Jahres wird eine lange Tradition an der Uni Erlangen-Nürnberg zu Ende gehen. Prof. Werner Nezadal, Leiter der Arbeitsgruppe Geobotanik im Department Biologie, geht in den Ruhestand. Damit dürfte dieses klassische Teilfach der Biologie in Erlangen in der bisherigen Form tot sein. Gleichsam als Abgesang berichtet ein Teilnehmer von einer der letzten großen Exkursionen der Erlanger Geobotanik.  
Eine Gruppe von über 20 Studenten und einigen Alumni stapft im Nieselregen auf dem Alpenrosensteig zur über 2000 Meter hohen Krinnenspitze in den Allgäuer Alpen. Es sind angehende Biologielehrer beziehungsweise Biologie- oder Geographie-Bachelor, die hier die Vielfalt alpiner Flora und Vegetation kennenlernen.
 

Immer wieder bleibt die Exkursionsgruppe stehen, wenn Prof. Werner Nezadal (rechts) eine interessante Pflanze erklärt.Für drei Wochen folgen sie dem Ruf der Alpen und tauschen Hörsaal und Labor gegen bunte Almwiesen, schroffe Felsen und dunkle Bergseen. Ein Tausch, der die Kenntnis vieler neuer Arten und Verständnis für ökologische Zusammenhänge bringt. Im Gelände geschieht das viel intensiver als daheim mit dem Lehrbuch. Immer wieder bleiben wir stehen, wenn uns Prof. Werner Nezadal etwas Interessantes am Wegrand erklärt.
 

An der Rax, einem der Hausberge Wiens am östlichen Ende der Alpen, begegnen wir zum Beispiel der Alpenpflanze schlechthin, dem Edelweiß. Vom Ottohaus sind wir durch typische Latschenwälder über herrlich blühende Almen zu Kalkschutthängen aufgestiegen.
Dort leuchtet das Edelweiß mit seinen dicht behaarten, fast verfilzten Blättern. Der Haarfilz ist für das Edelweiß das Gleiche wie für uns die Sonnencreme – er schützt die Blume vor der harten UV-Strahlung und vermeidet zusätzlich die Austrocknung bei starker Sonneneinstrahlung.
 

Vergleichweise fleischig sind die Zapfen der Zirben, einr Verwandten der fränkischen Waldkiefer. Foto: Gerhard BrunnerAm Zirbitzkogel, etwa 100 Kilometer weiter südwestlich, treffen wir eine Verwandte unserer in Mittelfranken bekannten Waldkiefer: die Zirbe. Im Gegensatz zur heimischen Kiefer hat sie jedoch bis zu 11 Zentimeter lange Nadeln, die zu je fünf Stück gebündelt sind.
Zirben können sehr alt und knorrig werden und wachsen oft bis zur Baumgrenze. Überraschend sind auch die Zapfen mit ihren richtig fetten Samen. Der Tannenhäher bricht sie heraus und verspeist sie – oder er verliert sie und sorgt so für Zirbennachwuchs.
 

An den Oberläufen der Bäche stehen artenreiche Grünerlengebüsche, und auf den Matten wachsen ausgedehnte Krummseggen-Rasen. Und nicht zu vergessen die Pilze! Pfifferlinge und Maronen sind in den Wäldern so zahlreich, dass die freundliche Wirtin der Sabathy-Hütte unsere Tagesbeute ins Abendessen einbaut. Zum Glück überleben wir alle....

In Slowenien gilt unser Interesse dem Triglav-Nationalpark mit südlichen Buchenwäldern und verkarsteten Hochflächen. Dann geht es weiter nach Italien. Am Passo Pura, nördlich von Ampezzo in Friaul, hat die Universität Triest die kleine, gut ausgestattete Forschungsstation „Baita Torino“, die wir beziehen dürfen.
 

Als Gegenleistung testen wir einen elektronischen Bestimmungsschlüssel des KeyToNature-Projektes der Triester Botaniker, den uns das Erlanger Institut für Lern-Innovation auf CD und drei PDAs – modernen Mobiltelefonen – zur Verfügung gestellt hat. Statt mit einem Bestimmungsbuch bewaffnet wird der Botaniker der Zukunft vielleicht mit ein Handy mit hoch auflösendem Display die Artenvielfalt erfassen.
 

Das letzte Ziel der Exkursion, der Großglockner, ist in jeder Hinsicht der Höhepunkt der Exkursion. Mit 3798 Metern der höchste Berg Österreichs, hat er neben Murmeltieren und Steinböcken die Alpenvegetation der höchsten Regionen der Silikat-Alpen zu bieten. Vom Glocknerhaus in 2132 Metern Höhe steigen wir hinab zum Vorfeld der Pasterze, dem großen Glocknergletscher.
 

Walter Welß, Geobotaniker mit ebenfalls reicher Exkursionserfahrung, zeigt anschaulich, wie lange es dauert, bis sich nach dem zur Zeit dramatischen Rückzug des Gletschers auf dem zunächst völlig vegetationslosen Boden erste Pioniere ansiedeln können. Dort, wo sich schon seit über 100 Jahren pflanzliches Leben wieder entfalten kann, zeigt sich eine große Vielfalt.
Wolken und Regen erleichtern unseren Abschied. Im Gepäck haben wir viele gepresste Pflanzenarten für das „Herbarium Erlangense“, das getrocknete Pflanzen aus aller Welt enthält.

 

Auf das Sammeln der Pflanzen folgt das Bestimmen mit Hilfe einer Datenbank.Unter www.herbarium-erlangense. nat.uni-erlangen.de besteht seit kurzem Zugriff auf diese Datenbank. In dem Verzeichnis der Pflanzen, die sich im Herbarium befinden, sind zu vielen Arten bereits Fundorte, Sammler und Belegdatum eingegeben.
Ein Mausklick auf die „Herbar-Nummer“ einer Art führt in einigen Fällen schon zu einem Farbscan der Pflanze. Mit einer Lupenfunktion offenbaren sich alle Details, die man für eine sichere Bestimmung der Art braucht. Auch unsere Funde aus den Alpen werden sich irgendwann einmal der www-Gemeinde präsentieren.

GERHARD BRUNNER

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