| Generation Praktikum auf Jobsuche |
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Deutschland braucht mehr Akademiker – heißt es ständig. Aber viele Absolvent(inn)en werden das Gefühl nicht los, nach dem Studium alles andere als gebraucht zu werden. Allenfalls missbraucht – als billige oder gar kostenlose Aushilfskräfte. Kai Kappes (25) ist eine von ihnen. Sie hat in Erlangen einen Magister-Studiengang in Germanistik, Psychologie und Geschichte sowie den Masterstudiengang Ethik der Textkulturen absolviert. Hier schildert sie in bewusst glossierener Form wahre Erlebnisse beim Übergang ins Berufsleben.
Nennen wir sie „Absolventa Studiosa“: Hochschulabsolventin 2009, Exemplar der „Generation Praktikum“. Sie steht für all jene, die nach ihrem Studium kaum Möglichkeiten auf eine dauerhaft feste Anstellung haben und deshalb ein Praktikum nach dem anderen machen. Was also tun? Absolventa geht erstmal zur Agentur für Arbeit. In einem recht kurzen Beratungsgespräch wird sie darüber aufgeklärt, dass sie – frisch von der Uni kommend – keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld hat. Und sie wird gebeten, ihr Bewerbungsprofil selbstständig auf der Internetplattform einzustellen – und sich zu melden, sobald sie eine Arbeit gefunden habe, damit man sie wieder aus der Kartei nehmen könne. Ein Telefonat soll die Sache aufklären. „Nein“ antwortet Absolventa auf die Frage der Beraterin, ob sie den Flug verschieben könne. Nun gut, meint die Beraterin, die Leute von der Arbeitsagentur seien keine Unmenschen, sie erhalte schnellstmöglich einen neuen Termin. Nachdem Absolventa zu dem Schluss gekommen ist, dass sie von der Agentur für Arbeit keine Hilfe erwarten kann, denkt sie über eine Promotion nach. Natürlich hat sie zu Studienzeiten reichlich genetworkt, und so ist es kein Problem für sie, eine Doktormutter oder einen Doktorvater zu finden. Eine Stelle am Lehrstuhl bleibt gerade für viele Geistes- und Sozialwissenschaftler unerreichbar. Da bleibt nur noch ein Praktikum. Weil Absolventa überlegt, im Medienbereich zu arbeiten – und bereits zahlreiche Praktika dort hinter sich hat – wendet sie sich an eine Radiostation. Die möchte sie auch gerne nehmen, mindestens für vier Monate. Natürlich wären 40 Stunden und mehr in der Woche die Regel. Und da das Radio nicht schläft, sind Wochenend- und Abenddienste keine Seltenheit. Nebenher hat sie sich auf alle passenden Stellen in Deutschland beworben und, oh Wunder – sie wird zu einigen Bewerbungsgespräch eingeladen. Das Ganze erinnert schwer an Castingshows im TV-Nachmittagsprogramm. Nach dem persönlichen Gespräch mit den üblichen Fragen nach Lebenslauf, Stärken, Schwächen und Zukunftsplänen, heißt es: „Du bist im Recall!“ Dieser besteht meist aus einem Assessment-Center, der einen Tag oder auch mehrere Tage lang dauern kann. Dabei findet die Vorstellung der eigenen Person meist auf Englisch und natürlich mit Power-Point statt. Schließlich soll Absolventa beweisen, dass sie nicht nur sich selbst gut präsentieren kann, sondern das auch noch in einer Fremdsprache und mit Zuhilfenahme moderner Präsentationsmedien. Inhand von psychologischen und kognitiven Tests wird die Persönlichkeit der Kandidatin weiter erforscht. Man will erkennen, ob sie denn eine fleißige, motivierte, flexible, networkende, softskillnutzende, mehrsprachige, kompetente, selbstbewusste (aber bitte nicht zu sehr!), teamorientierte und dynamische Arbeiternehmerin abgeben würde. Gruppendiskussionen und Rechenaufgaben runden das Programm ab. Bei manchen Unternehmen wird zwei Mal am Tag ausgesiebt. Bei anderen werden die Bewerber abends noch zum Essen eingeladen, um ihre Tischmanieren und ihr Small-Talk-Talent zu überprüfen. Wer diese Bewerbungsrunde erfolgreich meistert, hat es bis ins Finale geschafft. Nur eine letzte Gesprächsrunde steht jetzt noch zwischen Absolventa und dem Job.
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Zukunft 

Eine Uni-Absolventin schildert die Probleme beim Einstieg ins Berufsleben
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