Die Farbdrucke liegen früh beim Bäcker PDF Drucken

Das Team Print & Pretzel machte den 1. Platz und nahm 900 Euro Preisgeld mit. Foto: Ralf RödelMit einer  Innovation gewann das Team „Print & Pretzel“ den 5-Euro-Business-Wettbewerb

Wie betreibt man als Student mit nur 5 Euro Startkapital eine Firma? Darum geht es bei dem Praxiswettbewerb „5-Euro-Business“, der in diesem Jahr zum 10. Mal an der Uni Erlangen-Nürnberg ausgetragen wurde. Hier stellen wir fünf Projekte vor, darunter die drei Erstplatzierten: "Print & Pretzel", "City Hunters", "Nailicious", "Aufklärung 3.0" und "Bestellkiste". 

Hausarbeiten über Nacht geliefert

Stell dir vor, es ist die Nacht vor dem Abgabetermin für die Seminararbeit. Gegen Mitternacht hast du endlich die letzten Zeilen geschrieben, die Bilder alle nochmal gecheckt, und jetzt willst du dein Werk ausdrucken. Aber es geht nicht – die Farbdüsen sind verstopft.

Du lässt zwei-, dreimal die Funktion „Intensivreinigung“ laufen. Es geht wieder nicht. Denn inzwischen sind die Farbpatronen leer. Es ist 2 Uhr morgens, und du bist mit deinen Nerven am Ende. Nach einem bisschen Schlaf rappelst du dich auf, um mit deiner fertigen Arbeit zu einem Copyshop zu gehen und sie dort ausdrucken zu lassen. Aber vergangene Nacht haben offensichtlich noch mehr häusliche Drucker gestreikt. Du stehst am Ende einer ziemlich langen Schlange. Und bis du dran bist, rückt der Abgabetermin bedrohlich näher.

„Stopp“ rufen an dieser Stelle Julia Schilder, Michael Marr, Hermann Pausch und Annika Spies. Als das Team Print & Pretzel haben sie den diesjährigen 5-Euro-Business-Wettbewerb an der Universität Erlangen-Nürnberg gewonnen – mit einer technischen Innovation, die oben genanntes Horror-Szenario zu vermeiden hilft.

Die Kunden von Print & Pretzel schicken die zu druckende Datei über einen Online-Shop zu einem umgebauten Farbdrucker, der bis zu 2500 Ausdrucke pro Nacht schafft. „Dafür haben wir die Papierzufuhr eines handelsüblichen Druckers umgebaut“, erklärt Michael. Und damit die Farbpatronen nicht so schnell leer werden, hat das Team sie durch weitaus größere Behälter ersetzt und mittels eines Schlauchsystems mit dem Drucker verbunden.

„Aufgrund der hohen Stückzahl können wir den Preis erheblich senken“ erklärt Hermann. 3,5 Cent verlangt „Print & Pretzel“ für eine Farbseite – das ist ungefähr genauso viel, wie üblicherweise eine Schwarz-Weiß-Seite kostet.

Und wie kommt der Kunde an sein Werk? Er geht zu einem von (bisher) fünf Bäckern in Erlangen und holt es dort ab. „Der Arbeitsaufwand für den Bäcker ist gleich null – und er hat den Zusatznutzen, dass sich jeder Abholer mit ziemlicher Sicherheit noch ein Brötchen oder ein Stück Gebäck mitnimmt“, sagt Julia.

Alles, was das Team Print & Pretzel selbst leisten muss: die nachts ausgedruckten Arbeiten im Morgengrauen zu den jeweiligen Bäckern bringen, wo sie der Kunde abholen möchte. Die angehenden Witrtschaftsingenieure Michael, Hermann und Julia kannten sich schon aus dem Studium. Annika (Molecular Nanoscience) ist erst beim Wettbewerb zum Team gestoßen.

So wie die vier schlossen sich im Lauf des Wintersemesters Studierende verschiedener Fachbereiche zu acht Gründerteams zusammen, entwickelten eine Geschäftsidee und setzten diese im Rahmen einer Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR) soweit wie möglich um.

„Ziel ist, Studierende zu motivieren, sich mit dem Thema Existenzgründung praxisnah auseinanderzusetzen und Selbstständigkeit als berufliche Perspektive zu entdecken“, sagt Andrea Haidu vom Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (bbw), das den Wettbewerb veranstaltet.

An den Unis Regensburg und Würzburg fanden auch entsprechende Wettbewerbe statt, allerdings mit weitaus weniger Teams. So wurde das große Finale an der Uni Erlangen-Nürnberg in ein nordbayerisches Event umgewandelt. Bei der Abschlussveranstaltung im Erlanger Schloss präsentierten sich zwei Teams aus Regensburg und eines aus Würzburg.

Um den Sieg ausgiebig zu feiern. blieb Print & Pretzel allerdings keine Zeit. Denn Annika hatte am nächsten Morgen eine Klausur. Die Doppelbelastung sei das Schwerste bei dem ganzen Projekt gewesen, erzählt sie: „Beim 5-Euro-Business mitzumachen und nebenher das Studium nicht zu vernachlässigen, das kostet schon eine ganze Menge Durchhaltevermögen.“

hlo

www.5-euro-business.de

 

Auf dem zweiten Platz: die City Hunters. Foto: Ralf RödelHistorische Schnitzeljagden

Auf den 2. Platz (700 Euro Preisgeld) kamen die „City Hunters“: Daniel Sekula, Carletta Heinz, Alexander Kamenetsky und C.-Philipp Steiner (von rechts) veranstalten Schnitzeljagden durch die Nürnberger Altstadt. An historischen Orten finden die Teilnehmer Hinweise auf die Lösung eines Kriminalfalles.

www.cityhunters.de

 

 

Kompetent und charmant: Annika und Sonia von Schicke Nägel auf dem heimischen Sofa

500 Euro für den 3. Platz bekamen Adriana Michalik (links) und Sonia Stymelski (sitzend) für ihre Firma "Nailicious". Sie machen Hausbesuche, um Fingernägel zu stylen – in entspannter Atmosphäre.

www.nail-night.de

 

 

 

Das Netz ist gefährlich

Viele Jugendliche gehen sehr naiv mit sozialen Netzwerken im Web 2.0 um. Mihail Smeljanskij und Sascha Hosters wollen das ändern: Im Rahmen des „5-Euro-Business“- Wettbewerbs haben sie das Projekt „Aufklärung 3.0“ ins Leben gerufen.

Die beiden 24-jährigen Studenten hatten sich schon länger mit der Problematik sogenannter „Social Media“ beschäftigt, als der Wettbewerb den Anstoß für ihre Geschäftsidee gab. „Verkehrsregeln lernen Kinder schon in der Grundschule. Aber wie man sich sicher im Netz bewegt, erklärt ihnen keiner – das ist eine echte Marktlücke“, erläutert Mihail den Grundgedanken.

Studien zufolge nutzen 98 Prozent aller Zwölf- bis 19-Jährigen regelmäßig das Internet. Einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit verbringen sie dabei in Social Communities wie Schüler- und Studi-VZ. Die Risiken dieser Netzwerke sind bekannt: Oftmals werden persönliche Informationen, Fotos und Filme leichtfertig online gestellt, Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre ignoriert und Kontakte zu völlig Fremden aufgebaut.

Und wer glaubt, dass Hänseleien auf dem Schulhof schlimm sind, sollte sich erst einmal die Dimensionen des „Cyber Mobbing“ vor Augen führen. Dieser Form des Psychoterrors sind Jugendliche nämlich rund um die Uhr ausgesetzt, auf einer für jedermann zugänglichen Plattform. Die beiden Studenten sind sich einig: Auf diesem Gebiet ist Aufklärung nötig – eben „Aufklärung 3.0“.

Durch entsprechende Vorträge an Schulen wollen die beiden dafür sorgen, dass Jugendliche künftig ihr Privatleben nicht mehr ungewollt vor der ganzen Welt ausbreiten. 300 Euro verlangen Sascha und Mihail für eine Info-Veranstaltung.

CHRISTIANE ERNST

 

Hochprozentiges auch mitten in der Nacht liefern Maria Weiß und Juan Sebastian Unterstenhöfer.  Foto: RödelNachschub in der Nacht

Es ist Sonntagabend gegen 23 Uhr. Es klingelt an der Haustür: Spontanbesuch, Freunde kommen vorbei. Aber der Kühlschrank ist leer, kein Bier ist da, das man anbieten könnte.

Was tun? Dieses Problem kennen Maria Weiß und Juan Sebastian Unterstenhöfer nur allzu gut. Ihre Lösung haben sie als Geschäftsidee beim 5-Euro-Business-Wettbewerb eingereicht: die Firma „Bestellkiste GbR“.

Ihr Konzept: Freitags, samstags und sonntags können Kunden bis spät in die Nacht bei der Bestellkiste anrufen und vor allem alkoholische Getränke bestellen. „Aber wir wollen unser Angebot erweitern“, sagt Maria. Die Studenten planen in Zukunft auch Speisen oder Dienstleistungen – etwa aus dem Kosmetik- oder Wellness-Bereich – auf Abruf zu liefern.

„Ein Frisör, der am Samstagabend noch zum Haare schneiden in die eigene Wohnung kommt, das wäre praktisch“, meint Maria. Dazu brauchen die beiden noch Kooperationspartner, eben beispielsweise einen Frisör. www.bestellkiste.de

HANNI KINADETER 

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