| Lernen im Wüstensand |
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Katar holt sich US-Spitzen-Hochschulen ins Land
Wer in den Petrodollar-Monarchien am Persischen Golf etwas auf sich hält, schickt seine Kinder zum Studium nach Großbritannien oder in die USA. Die konservativen Familien entsenden nur die Söhne. In einigen progressiven Clans gibt man auch den Töchtern eine Chance — immer in der Hoffnung, dass sie sich nach vier Semestern im „sündigen Westen“ auf dem heimischen Heiratsmarkt noch vermitteln lassen. Die meisten Golf-Araber wollen ihre Töchter lieber ganz in ihrer Nähe – oder zumindest in einer islamischen Umgebung – wissen. Das hat dafür gesorgt, dass die Zahl der Studentinnen in den Golfstaaten vielerorts höher ist als die der Studenten. An der staatlichen Uni von Katar, einem der reichsten Länder der Welt, studieren derzeit rund 3000 Männer und doppelt so viele Frauen. Die Hälfte von ihnen trägt Kopftuch und Abbaya, das traditionelle schwarze Frauengewand Arabiens. Gleiches gilt für die neue Bildungsstadt mitten in der Wüste am Stadtrand der katarischen Hauptstadt Doha. Hier haben sich sechs Filialen renommierter US-Hochschulen angesiedelt Wer eine der Mini-Unis betritt, fühlt sich eher wie in einem Fünf-Sterne-Hotel oder einem modernen Museum als in einer Hochschule. Rosinen rausgepickt Jede dieser Hochschulen hat nur eine oder zwei Fakultäten. Denn die Katarer haben sich bei den „Mutter-Universitäten“ in den USA jeweils nur die Rosinen herausgepickt. Sie haben sich vor allem die Studiengänge ausgesucht, denen diese Unis ihr Renommee verdanken. Die Architektur der Gebäude ist durchweg spektakulär. In den kleinen Hörsälen gibt es Sitze aus feinstem Holz und Internet-Buchsen an jedem Platz. Nirgends müssen die Wissensdurstigen anstehen oder um Plätze kämpfen. Die 1400 Studenten, die auf dem 14 Millionen Quadratmeter großen Areal unterrichtet werden, muss man förmlich suchen. Das Verhältnis zwischen Studenten und Professoren liegt an einigen Fakultäten bei fünf zu eins. Die Katar-Stiftung, die von Scheicha Mosah, der Ehefrau des Emirs Hamad bin Chalifa al-Thani geleitet wird, hat die Bildungsstadt erdacht und — wie es in Katar üblich ist — binnen kürzester Zeit Wirklichkeit werden lassen. 2002 fingen die ersten Studenten an, deren Eltern genauso hohe Studiengebühren bezahlen müssen wie an den jeweiligen US-Unis. Im vergangenen Jahr wurden die ersten Absolventen verabschiedet. Kritisches Denken gefordert Die ambitionierte Gattin des Emirs ist mit dem Erreichten noch nicht zufrieden. „Verhandlungen mit weiteren Hochschulen in Frankreich und Großbritannien laufen“, erklärt Ahmed Hasnah, der zum akademischen Team der Katar-Stiftung gehört. Damit möglichst viele Katarer die Aufnahmebedingungen der neuen Elite-Unis erfüllen, wurde zudem eine Reform des staatlichen Schulwesens in Angriff genommen. BEATRICE CLASMANN (dpa)
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Zukunft 

Überfüllte Hörsäle, gestresste Dozenten, genervte Studierende – die gegenwärtige Debatte um die Reform der deutschen Massen-Uni gibt Anlass, auch mal einen Blick in ein Land zu werfen, in dem das alles gänzlich unbekannt ist: zum Beispiel Katar im Mittleren Osten.
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