Lernziel heißt „Vielfalt stärken“ PDF Drucken

Angehende Lehrer und Sozialarbeiter sollen beim Projekt "Vielfalt stärken" inkterkulturelle Kompetenz erwerben. Foto: Colourbox.comAngehende Lehrer und Sozialarbeiter erwerben interkulturelle Kompetenz

„Vielfalt stärken“ heißt ein Projekt, an dem drei Nürnberger Hochschulen beteiligt sind. Ziel ist es, künftigen Lehrern und Sozialarbeitern interkulturelle Kompetenz zu vermitteln.

Nein“ rufen die 20 Kinder in einer 4. Klasse der Grundschule Nürnberg-St. Leonhard im Chor. „Das war zu lasch“, meint Sophia Groß, Studentin des Fachs Soziale Arbeit an der Evangelischen Fachhochschule (EFH) Nürnberg. „Wenn ihr ,Nein‘ sagt und dabei freundlich lächelt, kommt das nicht glaubhaft rüber“, erklärt sie den Kindern, „ihr müsst deutlich machen, dass ihr auch ,Nein‘ meint“.

Die Viertklässler lernen, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie jemand anfassen will, von dem sie nicht angefasst werden möchten. Also nochmal: „Nein“ schreien die Kinder, diesmal wesentlich lauter und bestimmter. Solche Übungen in dieser und drei anderen 4. Klassen der St.-Leonhard-Schule gehören für die Studierenden der EFH zum Projekt „Kinderrechte“. Mit der Unterstützung von Schulleiterin Waltraud Wagner und der Stadtteilbeauftragten Renate Popp haben die Studierenden ein zweitägiges Programm für die Schule ausgearbeitet.

Dazu gehören Info-Stationen, Rollenspiele und eine Kinderkommission: Dort können die Viertklässler vorbringen, was ihnen alles nicht passt oder Sorgen bereitet – oder auch, was sie gut finden. Das Projekt der EFH-Studenten in St. Leonhard wiederum ist der vorläufige Schlusspunkt eines seit Januar 2009 laufenden Programms, das Marissa Pablo-Dürr vom Pädagogischen Institut (PI) der Stadt Nürnberg geleitet hat. Sein Titel: „Vielfalt stärken! Schulprojekt für ein ziviles, faires, tolerantes Miteinander gegen Rassismus und Rechtsextremismus.“

Gegen Rechtsextremismus

„Ziel des Projekts ist es, durch pädagogische Maßnahmen an ausgewählten Schulen einen Beitrag zum Abbau rechtsextremistischer und rassistischer Anschauungen im Umfeld dieser Schulen zu leisten“, erklärt Marissa Pablo-Dürr. „Zielgruppen dabei sind Schüler, Lehrkräfte und Eltern.“ Um das Projekt konkret umzusetzen, wurden Studierende von drei Nürnberger Hochschulen ausgebildet. „Zunächst haben wir vier Grund- und Hauptschulen für das Projekt gewonnen und dann eine Zusammenarbeit mit dem Studiengang Soziale Arbeit der Georg-Simon-Ohm-Hochschule (GSO) beschlossen“, berichtet Marissa Pablo-Dürr.

Der Verein Xenos Nürnberg konzipierte ein Wochenende mit einem interkulturellen Training für die Ohm-Studenten. Die Schulung war Teil der Lehrveranstaltung „Zivilgesellschaft und Soziale Arbeit“ von Michael Helmbrecht. Als nächste Partner kamen Studenten des Uni-Studiengangs „Didaktik des Deutschen als Zweitsprache“ dazu. Sie wurden in drei Modulen von Marianna Antoniadis-Richter und Murad Mehmed Kurhan geschult, die eine Xenos-Ausbildung als „Moderator/in für Interkulturelle Kommunikation“ abgeschlossen hatten.

Schließlich erarbeiteten die GSO- und die Uni-Studenten gemeinsam Projekttage zum Thema „Toleranz und Achtung – Miteinander gegen Rassismus“. Diese Projekttage fanden in jeweils drei Klassen an vier ausgewählten Schulen statt. Dabei waren auch die damals 3. Klassen der St. Leonhard-Schule. Jetzt sind sie in der 4. Klasse und üben an der Station „Recht auf Privatsphäre und Würde“ das „Nein“-Sagen. Sophias Kommilitone Florian Wolf korrigiert die Körpersprache der Schüler. „Wenn ihr so ängstlich dasteht, nimmt euch das ,Nein‘ keiner ab. Das muss viel entschlossener kommen. Am besten, ihr macht einen großen Schritt auf den Betreffenden zu, den ihr abschrecken wollt.“

„Unser Projekt baut auf den Vorleistungen unserer Kommilitonen von den anderen beiden Hochschulen auf“, erläutert Bianca Fehn vom Studenten-Team der EFH. Das Fazit der Studierenden danach: „Wir sollten den Kindern aufzeigen, dass sie von Seiten des Staates unter besonderem Schutz stehen und dass die Erziehungsberechtigten nicht alles mit ihnen machen dürfen“, sagt Sophia. „Ich denke, grundsätzlich hat alles sehr gut geklappt und Spaß gemacht – sowohl den Kindern als auch uns.“ Was Sophia und die anderen auf jeden Fall gelernt haben: „Man sollte nächstens deutlich mehr Zeit einplanen. Schwierig war für uns auch, die Wortwahl so deutlich und einfach zu gestalten, dass alle Kinder mitkommen. Wenn man das nicht gewöhnt ist, ist es nicht so leicht. Und um dauerhaft etwas zu ändern, müssten viel öfter solche Projekttage stattfinden.“

Fortsetzung folgt

Das ist natürlich auch das Ziel von Marissa Pablo-Dürr. Für das nächste Schuljahr plant sie neue „Vielfalt stärken“-Teilprojekte zusammen mit der GSO-Hochschule und dem Uni-Studiengang „Didaktik des Deutschen als Zweitsprache“ und Xenos Nürnberg.
„Die interkulturelle Kompetenz kommt meistens zu kurz“, hat Marissa Pablo-Dürr festgestellt, „sowohl im Lehramtsstudium als auch in der Ausbildung von Sozialpädagogen. Aber wenn man sich die Realität in den Schulen und in manchen Gegenden von Nürnberg ansieht, dann ist deren interkulturelle Kompetenz ständig gefordert.“

hlo

 

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