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Eine Mathematikerin erzählt von ihrer Tätigkeit bei einem Pharma-Unternehmen
Der Stress mit der Facharbeit ist fast schon vergessen. Das Abi rückt unaufhaltsam näher. Und du hast noch keinen Plan, ob und was du studieren möchtest? Unter dem Riegel „Extra-Jobs“ stellen wir in loser Folge Menschen und ihre Berufe vor. Heute: Kati Sternberg hat an der Uni Bayreuth Mathematik studiert und arbeitet jetzt bei einem Pharma-Unternehmen.
Kati, Mathematik besteht für viele Menschen aus kryptischen Zeichen zum Addieren, Multiplizieren und Dividieren. Wie sehen Sie die Wissenschaft Mathematik?
Kati Sternberg: Die Mathematik teilt sich grob in die reine und die angewandte Mathematik. Beide Richtungen betrachten viel mehr als nur Zahlen. In der reinen Mathematik bewundert man oft die Schönheit von Beweisen oder die Eleganz einer Beweisführung, auch wenn das für einen Nicht-Mathematiker abstrus klingen mag.
Bei der angewandten Mathematik stehen Zahlen oft für praktische Anwendungen. Zahlenkolonnen und Gleichungen beschreiben Flugbahnen, Klimavorgänge oder Krankheitsverläufe. Ich habe bereits in einigen Anwendungsgebieten gearbeitet und nicht einmal annähernd gesehen, was Mathematik alles kann. Für mich ist die Mathematik etwas, das unendliche Möglichkeiten bietet.
Wie kommt man darauf, gerade Mathematik zu studieren? Oder wollten Sie schon immer Mathematikerin werden?
Sternberg: Mathematik fand ich schon immer interessant. Ich mochte beispielsweise schon in der Schule mathematische Knobelaufgaben. Allerdings habe ich mich nicht nur für Mathematik interessiert. Vermutlich habe ich mich deshalb erst kurz vor dem Abitur entschlossen, was ich studieren möchte. Zur Debatte standen Biologie, Medizin, Kunst oder eben Mathematik. Entschieden habe ich aus dem Bauch heraus. In einem Heft vom Arbeitsamt wurde der Studiengang Wirtschaftsmathematik beschrieben: Ich wusste zwar nicht genau, was man später damit machen kann, aber das klang gut.
Was braucht man, um Mathe zu studieren?
Sternberg: Eine wichtige Voraussetzung ist logisches Denkvermögen. Wer dann noch Interesse an Mathe hat, kann unabhängig von der Schulnote relativ sicher sein, dass ihm das Studium Spaß machen würde. Die späteren Jobmöglichkeiten sind fast unbegrenzt.
Sie sind jetzt in einem großen Pharma-Unternehmen beschäftigt. Arbeiten da nicht eher Mediziner, Chemiker und Biologen?
Sternberg: Ich arbeite als Bio-Statistikerin in der klinischen Forschung und Entwicklung an Studien zur Prüfung der Arzneimittelwirksamkeit und -sicherheit mit. Ein interdisziplinäres Team, das neben Medizinern und Biologen auch aus Mathematikern/Statistikern besteht, ist für die Planung und Durchführung von klinischen Studien zuständig.
Welche Aufgaben haben Sie da?
Sternberg: Ich plane zusammen mit den Medizinern solche Studien. Dazu wird beispielsweise entschieden, welche Art von Patienten und wie viele in die Studie aufgenommen werden sollen, ob die Patienten zum Vergleich ein Placebo oder ein anderes Vergleichspräparat bekommen sollen, und welche Tests zur Wirksamkeit zu welchen Untersuchungszeiten ge-macht werden. Nach der Festlegung des Studien-Designs besteht die Hauptaufgabe des Biometrikers darin, die statistische Auswertung detailliert zu planen. Dazu gehören die Entscheidungen, welche Auswertungen für welche Patientendaten gemacht werden sollen, welche statistischen Methoden dazu angewandt werden und wie man mit möglicherweise fehlenden Patientendaten umgeht.
Wann waren Sie nervöser: Vor dem ersten Schultag oder vor dem ersten Arbeitstag?
Sternberg: Vor dem ersten Schultag war ich eindeutig nervöser. Bei meinem ersten Arbeitstag wusste ich zwar nicht genau, was auf mich zukommt. Aber als Mathematiker in einem Unternehmen braucht man keine jahrelange Einarbeitungszeit – auch wenn das Studium immer als theorielastig und praxisfern bezeichnet wird. Ich habe direkt in der ersten Woche zwei eigene Studien zur Betreuung bekommen: eine zur Therapie von Alzheimer und Demenz und eine zur Behandlung von Falten. Das hat anfangs sicher noch länger gedauert und ich musste mir oft Hilfe von Kollegen holen. Aber letztlich war es genau das, worauf mich das Mathematik-Studium vorbereitet hat: Verlangt war selbstständiges Denken und das eigenständige Einarbeiten in völlig neue und mir unbekannte Problemstellungen.
Interview: CELINE FISCHER
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