B wie Bologna, Teil 9: Brisante Studie PDF Drucken

Volle  Hörsäle, aber keine zusätzlichen Mittel: So wird die Bologna-Reform scheitern. Foto:  Uwe Zucchi (dpa)Ohne mehr Geld wird es nicht klappen

Einige Erfolge, aber auch noch große Defizite listet eine neue Studie zur die Umsetzung des Bologna-Prozesses in den vergangenen zehn Jahren auf. Erstellt hat den Bericht die European University Association (EUA). Sie ist der größte Verband europäischer Universitäten aus 46 Ländern.


Die Studie stützt sich auf Umfrageergebnissen von 821 Universitäten, 27 nationalen Universitätsverbänden sowie Forschungsbesuchen in 16 europäischen Ländern. Dabei kamen unter anderem folgende Ergebnisse zustande:

Dreistufiger Abschlusszyklus (Bachelor, Master, Promotion): 95 Prozent aller Hochschulen haben inzwischen das dreistufige System eingeführt (im Vergleich zu 82 Prozent im Jahr 2007).


Leistungspunktesystem (ECTS): 90 Prozent der Unis verwenden das Leistungspunktesystem für alle Bachelor- und Master-Programme. Das ist eine deutliche Erhöhung im Vergleich zu 75 Prozent im Jahr 2007.
Diploma Supplement: Zwei Drittel der Hochschulen verleihen allen Absolventen das Diploma Supplement. Das „DS“ enthält zusätzliche Information zu den offiziellen Zeugnissen. Es soll die Bewertung und Einstufung von akademischen Abschlüssen sowohl für Studien- als auch für Berufszwecke erleichtern und verbessern.
 

Einstellung zu „Bologna“: 58 Prozent der Unis sehen die Realisierung eines europäischen Hochschulraumes als „sehr positiv“ an. 38 Prozent geben an, dass die Bologna-Reform zu „gemischten Ergebnissen“ geführt habe. Nur 0,1 Prozent beurteilen die gesamte Umsetzung von „Bologna“ als negativ.
 

Probleme: Schwierigkeiten bereitet die Einführung der Bachelor-/Master-Studienstruktur in vielen reglementierten Berufen („regulated professions“). Dazu zählen Medizin, Jura, Ingenieurwissenschaften und Zahnmedizin.
 

Mobilität: Trotz aller Bemühungen, die Mobilität von Studierenden und akademischem Personal weiter zu steigern, sind bislang nur unzureichende statistische Erkenntnisse zur Mobilitätsentwicklung durch den Bologna-Prozess vorhanden.
 

Qualität der Lehre: „Bologna“ wirkt als Katalysator für die Qualitätsverbesserung in der Lehre und für die Einführung stärker studierendenzentrierten Lernens: 77 Prozent der Unis haben ihre Lehrpläne in allen Fachbereichen umgearbeitet. In 28 Ländern wurde die Qualitätssicherung den Leitlinien angepasst, die 2005 für „Bologna“ entwickelt worden sind.
 

Arbeitsmarktbefähigung: Probleme bestehen laut der Studie nach wie vor bei der Arbeitsmarktbefähigung der Absolventen. Das gilt insbesondere in Ländern wie Deutschland, in denen Bachelor-Studiengängen neu eingeführt wurden.
Arbeitgeber erkennen diese neue Qualifikation nicht im vollen Maße an. In diesen Ländern wird häufig ein Master-Titel als Eingangsqualifikation für den Arbeitsmarkt verlangt. In Ländern, in denen der Bachelor bereits als Basisqualifikation anerkannt ist, wird der Master als zusätzliche Qualifikation von Absolventen angesehen.
 

Lebenslanges Lernen gewinnt an Universitäten weiterhin an strategischer Bedeutung. Bislang haben fast 40 Prozent der Unis eine umfassende Strategie dafür, weitere 34 Prozent sind dabei, eine solche zu entwickeln. Mittlerweile bieten mehr als 80 Prozent der Unis berufliche Weiterbildungskurse an.
 

Der EUA-Bericht benennt aber auch deutlich Herausforderungen, die im kommenden Jahrzehnt bis 2020 zu bewältigen sind:

Die Informationsarbeit zu den Reformen muss verbessert werden, um allen interessierten Kreisen (Studierenden, Akademikern, Arbeitgebern und der Gesellschaft allgemein) Sinn, Zweck und Vorteile der Bologna-Reformen zu erklären.
 

Anstatt die Bologna-Instrumente nach rein technischen und quantifizierenden Aspekten zu evaluieren, sollte sich der Bologna-Prozess stärker auf die Entwicklung innovativer Bildungskonzepte konzentrieren. Dazu ist unbedingt die stete Beteiligung von Studierenden am reformpolitischen Prozess erforderlich.
 

Um die Reformen weiterzuführen und zu vervollständigen, ist unbedingt mehr Geld auf nationaler Ebene notwendig.. Dies ist vor allem wichtig für die erfolgreiche Umsetzung der studierendenzentrierten Lehre, die mehr Personal erfordert.“
 

Der europäische Hochschulraum muss enger mit dem europäischen Forschungsraum verknüpft werden, um einen zusammenhängenden reformpolitischen Ansatz zu ermöglichen und das Ziel einer Europäischen Wissensgesellschaft zu verwirklichen.
 

Politische Entscheidungsträger müssen im Hinblick auf die wachsende Bedeutung der Internationalisierung mehr tun, um die Mobilität zu fördern und die Mobilitätshindernisse abzubauen.

hlo

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