| B wie Bologna, Teil 13: „Beschallung von vorne ist völlig out“ |
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"Beschallung von vorne ist völlig out“, meint Prof. Bernhard Prosch. Schon der Begriff „Vorlesung“ stört ihn: „Studenten sind keine Kleinkinder, denen man etwas vorlesen muss. Wer studiert, sollte selbst lesen können“. Prosch setzt stattdessen auf „aktive Beteiligung. Wer sich den Lernstoff selbst erarbeitet, anstatt sich damit berieseln zu lassen, lernt wesentlich effizienter.“
Auf diese Weise wollen Prosch und seine Mitarbeiter am Lehrstuhl für empirische Wirtschaftssoziologie einen wesentlichen Aspekt der Bologna-Reform umsetzen: „Die Grundidee jedes Bachelor-Studiengangs ist es, dass die Vermittlung von Fachwissen allein nicht genügt“, erklärt Prosch, „vielmehr sollen die Studierenden zusätzlich noch Schlüsselqualifikationen bekommen.“ Bei den kürzlich wieder aufflammenden Studentenprotesten ist der Aspekt soft skills besonders in den Vordergrund gerückt: Denn er spielt in den meisten bisher eingeführten neuen Bachelor-Studiengängen allenfalls am Rande eine Rolle. Aber Prosch setzt auf den integrativen Ansatz: Schlüsselkompetenzen werden nicht in gesonderten Kursen vermittelt, sondern in ein und denselben Lehrveranstaltungen, in denen es um die fachlichen Inhalte geht. Denn dadurch, dass sich die Studierenden den Stoff in kleinen Gruppen erarbeiten, dann anderen Gruppen präsentieren und schließlich alle gemeinsam vertiefen, bekommen sie mehr oder minder automatisch viele soft skills mit. Ob das Ganze auch wirklich funktioniert, untersucht die Lehrstuhlmitarbeiterin Sandra Dreier in einem von der Staedtler- und der Mayer-Stiftung geförderten Forschungsprojekt. Bisher wurden Studienanfänger ein Jahr lang gezielt in ihren Schlüsselkompetenzen gefördert. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend: „Die Leute aus der Versuchsgruppe sind aktiver, kooperativer, verantwortungsbereiter und innovativer als Mitstudierende ohne diese Förderung“, sagt Prosch. Dass sein integrativer Ansatz, soft skills in fachlichen Lehrveranstaltungen gerade in der Soziologie besonders gut funktionieren mag, will Prosch nicht abstreiten. Aber kann das Konzept auch in ganz anderen Fächern, etwa Physik oder Romanistik, greifen. „Ich denke schon“, sagt der Professor, „wenn man Bologna ernst nimmt, muss man sich halt was einfallen lassen und seine Lehrveranstaltungen auch wirklich umstellen.“ hlo
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