Zoff um die Senkung der Studiengebühren PDF Drucken

500 Euro pro Semester beträgt der gesetzlich zulässige Höchstsatz für Studiengebühren in Bayern. Die meisten Hochschulen kassieren auch so viel.  Foto: dpaSenat der Georg-Simon-Ohm-Hochschule lehnte den Wunsch der Studierendenvertretung ab
 

Das Vorbild war die Uni Bamberg: Dort hatte der Senat im Februar beschlossen, die Studiengebühren von 500 auf 400 Euro zu senken. Seitdem versuchen Studierende an anderen bayerischen Hochschulen, das selbe Ziel zu erreichen. Aber alle diese Versuche sind bisher gescheitert.

 


Der aktuellste Fall: die Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg. Dort war die Idee, man könnte die Studiengebühren von 500 Euro auf das gesetzlich festgelegte Minimum von 100 Euro senken, eines der wenigen konkreten Ergebnisse des Bildungsstreiks im vergangenen Winter.
 

 

Und Ohm-Präsident Prof. Michael Braun schien der Idee auch gar nicht völlig abgeneigt. Die Entscheidung darüber wollte er indes den Fakultäten überlassen.
Doch die sprachen sich für eine Beibehaltung der 500 Euro aus. Wegen der klaren Mehrheit der Professoren im Senat hat dieser inzwischen beschlossen, dass die Studiengebühren an der Ohm-Hochschule nicht gesenkt werden.

 „Unglaubliche Frechheit“
„Wir haben eine Stunde lang für eine Absenkung der Gebühren gekämpft. Aber die Professoren sind weder auf unsere Argumente richtig eingegangen, noch waren sie in der Lage diese zu entkräften. Uns dann einfach niederzustimmen ist in meinen Augen eine unglaubliche Frechheit,“ meint Fabian Moser, einer der drei studentischen Senatoren.
 

„Nach der Argumentation der Fakultäten sind Studiengebühren hauptsächlich zur Aufrechterhaltung des Lehrbetriebs notwendig. Dass das eigentlich nicht so sein darf, haben mittlerweile anscheinend auch einige Professoren erkannt. Doch solange sie uns abkassieren können, sehen sie sich wohl nicht zum Handeln genötigt“, ergänzt sein Kollege Christian Demmel.

Vor allem stört die Studierenden, dass sie bei der Festlegung der Studiengebühren nicht paritätisch einbezogen wurden – wie es das bayerische Hochschulgesetz eigentlich vorsieht. „Wir werden daher prüfen, ob wir die Entscheidung des Senats im Nachhinein kippen können,“ sagt Senator Demmel.

An der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München wurde der studentische Versuch, die Studiengebühren zu senken, jüngst in gleicher Weise abgeschmettert. Dort beschloss der Senat mit elf gegen sieben Stimmen, den gesetzlich möglichen Höchstsatz von 500 Euro beizubehalten.

Zuvor hatte eine vom Senat eingesetzte Kommission die Verwendung der Gebühren unter die Lupe genommen.  Das Ergebnis: „An der LMU wurden Millionen Euro von Studiengebühren in Baumaßnahmen und Renovierungen investiert. Das ist eine Fehlverwendung“, sagt Stefan Liebl, hochschulpolitischer Sprecher der Studierendenvertretung.
 

Mehr als 200000 Euro flossen in ein Call-Center der Studienberatung, das von der Studierendenvertretung abgelehnt wird. Die Evaluation ergab außerdem, dass die LMU seit Einführung der Gebühren etwa 20 Millionen Euro angehäuft hat, für die noch keine Verwendung gefunden wurde.

„Sich gegen eine Entlastung der Studierenden auszusprechen, ist für mich eine feige Entscheidung von Zynikern“, sagt Liebl. Die Studierendenvertretung wirft dem Senat vor, sich in seiner Entscheidung an politischen Erwägungen zu orientieren.
 

Rechnungslegung im Internet
Auch an der Uni Erlangen-Nürnberg hatte sich der Senat im vergangenen Winter gegen die Stimmen von Studierenden dafür ausgesprochen, die Studiengebühren nicht zu senken. Sie betragen also nach wie vor 500 Euro pro Semester. Von ihren etwa 27000 Studierenden nimmt die Uni also – abzüglich der Befreiungen – pro Jahr etwa 18 Millionen Euro ein.
 

Wie die Universität Erlangen-Nürnberg die eingenommenen Studiengebühren ausgibt, darüber informiert sie auf ihrer Internetseite www.studienbeitraege.uni-erlangen.de Die mittlerweile dritte Rechnungslegung wurde zusammen mit Studierenden erarbeitet.
 

Transparenz und Übersichtlichkeit seien gegenüber den bisherigen Rechnungslegungen erheblich gestiegen, sagt die Uni-Vizepräsidentin Prof. Johanna Haberer. Fakultät für Fakultät werden die verschiedenen Projekte und die Höhe der jeweiligen Finanzierung aus Studiengebühren aufgelistet.
 

Die große Ausnahme bleibt also vorerst die Uni Bamberg. Dort wurden die Studiengebühren um 100 Euro gesenkt, weil eine interne Arbeitsgruppe unter der Leitung des Vizepräsidenten zu dem – vereinfacht zusammengefassten – Schluss gekommen war: So viel Geld, wie wir durch die Studiengebühren einnehmen, können wir gar nicht sinnvoll ausgeben.

Extra-Info:

Die Gebühren für ein Bachelor- oder Staatsexamens-Studium an den Universitäten Erlangen-Nürnberg, München, (LMU und TU) Regensburg und Würzburg betragen 500 Euro pro Semester. Weniger verlangen die Unis in Passau (485 Euro), Augsburg (480 Euro) und Bamberg (400 Euro). Einen Sonderfall gibt es an der Uni Bayreuth: Dort müssen Studienanfänger im 1. Semester nur 300 Euro zahlen, danach werden 500 Euro fällig.
 

Auch die meisten staatlichen  Fachhochschulen verlangen 500 Euro pro Semester: Nürnberg, Regensburg, Amberg-Weiden, Coburg und Neu-Ulm. In Weihenstephan werden 465 Euro einkassiert, in Augsburg und Ingolstadt jeweils 450 Euro sowie in Hof, Kempten, Landshut und Rosenheim jeweils 400 Euro. Noch günstiger gibt es das FH-Studium in Aschaffenburg und Ansbach (372 Euro), Deggendorf (370 Euro) und Würzburg-Schweinfurt (300 Euro)
 

An der Hochschule für Musik und Theater in München betragen die Studiengebühren 500 Euro. 300 Euro verlangen die Akademien der Bildenden Künste in Nürnberg und in München sowie die Hochschulen für Musik in Nürnberg und Würzburg.
 

An jeder bayerischen Hochschule regelt eine Satzung verschiedene Möglichkeiten, sich von der Gebühr befreien zu lassen. In der Regel sind Studierende mit eigenen Kindern und Schwerbehinderte befreit. An der Uni Erlangen-Nürnberg zum Beispiel muss auch nur ein studierendes Kind einer Familie die Studiengebühren zahlen, seine studierenden Geschwister nicht.
 

An der Hochschule Coburg sind die zehn Prozent besten Anfänger eines Bachelor-Studiengangs für drei Semester von der Studiengebühr befreit. Auch wer ein Stipendium bekommt, muss keine Gebühren zahlen. Außerdem erhalten die fünf Prozent besten Absolventen jedes Jahrgangs die Studiengebühren komplett zurück.
 

Einen völlig anderen Weg geht die Uni Erlangen-Nürnberg. Zahlen müssen auch die Besten, aber sie werden in einem – aus Studiengebühren finanzierten – Programm besonders gefördert. Das Leonardo-Kolleg bietet ihnen Veranstaltungen mit herausragenden Persönlichkeiten und eine privilegierte Teilhabe an kulturellen Aktivitäten in der Region.

hlo

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