Hausaufgaben in vier Sprachen PDF Drucken

David geht auf die Deutsche Schule in Lissabon. Foto: privatAls Deutscher in Portugal lernt David außerdem noch Englisch und Französisch

 

David Seelmann  (16) ist Deutscher, hat aber noch nie eine Schule in Deutschland von innen gesehen. Denn David lebt seit seiner Kindheit in Portugal und geht in Lissabon auf die Deutsche Schule. Hier erzählt er, wie es dort so zugeht.

 


Ich komme aus Portugal, da ist das Land neben Spanien links unten auf der Europakarte. Seine Fahne seht ihr oben links. Aber in meiner Schule kennt man mich nicht als Portugiesen. Im Gegenteil, die meisten zählen mich und meinen Bruder zu den Deutschen an unserem Gymnasium. Beides ist richtig, denn meine Mutter stammt aus Portugal und mein Vater ist in der Nähe von Bamberg geboren.
 

 

Ich gehe auf die Deutsche Schule in Lissabon. Da ist der meiste Unterricht natürlich auf Deutsch. Die meisten der Schüler können Deutsch und Portugiesisch gleich gut, weil sie in sogenannten Doppelfamilien leben. Die haben immer einen Elternteil aus Portugal und einen aus Deutschland.
 

In der Schule lernen wird dann noch Englisch und Französisch. Das sind also vier Sprachen, und in allen vier haben wir manchmal gleichzeitig Hausaufgaben.
Ein Aufsatz für Französisch, die Interpretation eines deutschen Gedichts, ein Kommentar auf Englisch. 

Kein Wunder, dass viele meiner Mitschüler (auf Portugiesisch: colegas = Kollegen) eine Mischung aus Deutsch, Portugiesisch und Englisch sprechen.
Das passiert öfters bei Wörtern, die schwer ins Portugiesische zu übersetzen sind. Ein typischer Satz lautet also zum Beispiel „Já tens as Hausaufgaben de Geschichte?“ (Hast du schon die Geschichtshausaufgaben?) oder „Vens ao Sommerfest?“ (Kommst du zum Sommerfest?).
 

Manchmal sprechen wir auch mit eingedeutschten Wörtern aus dem Portugiesischem. Die sind immer daran zu erkennen, dass sie kein normaler Mensch so im Alltagsleben benutzt: In Portugal heißt es zum Beispiel „confusao“ für „Unordnung“ oder „raro“ für „selten“.
 

Es gibt zwar Unterschiede in den Sprachen, aber im Großen und Ganzen sind alle Deutschen auf unserer Schule mit Portugiesen befreundet – und andersrum. Im meinem Freundeskreisen sind wir etwa gleich viele Deutsche und Portugiesen. Normalerweise sprechen wir dann Deutsch miteinander, weil die Portugiesen so die Chance haben, ihr Deutsch zu bessern.
 

Jedes Jahr kommen immer neue Jugendliche aus Deutschland auf unsere Schule in Portugal. Aber die meisten bleiben nicht bis zum Abitur; nach vier bis sechs Jahren gehen sie schon wieder in ein anderes Land. Ihre Eltern arbeiten nämlich für Firmen wie Volkswagen, Bayer oder Siemens (wie mein Vater). Oder sie sind Beamte, die für einige Jahre nach Portugal kommen, weil ihnen ein attraktiver Job versprochen wurde. Es schmerzt mich dann immer wieder, einen guten Freund gehen zu sehen.
 

Ich habe mich schon manchmal gefragt, ob es auf einer Schulen in Deutschland genau so zugeht wie bei uns. Ich kann das ja gar nicht wissen, weil ich nie ein Schüler in Deutschland war. Bei den Fächern scheinen die Schulen gleich zu sein: Sport, Kunst, Musik oder Geschichte zum Beispiel. Auch in Portugal gibt es gute und schlechte, strenge und nette Lehrer. Der Unterrichtsstoff ist derselbe, weil unser Lehrplan aus dem Bundesverwaltungsamt kommt. Sogar an Schulwettbewerben in Deutschland können wir teilnehmen.
 

Reise nach Berlin
Meine Klasse ist zum Beispiel in der 6. Klasse nach Berlin geflogen, weil wir den Wettbewerb „Eine Welt für alle“ gewonnen hatten. Da ging es darum, die Kultur eines armen Landes vorzustellen und den Leuten zu zeigen, dass es dort Menschen gibt, die nicht so leben wie wir. Wir haben die Kapverdischen Inseln präsentiert. An diesem Abend habe ich sogar dem damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler die Hand gegeben.
 

Als Ferienort finde ich Deutschland ziemlich ok. Ich komme jeden August hierher, um meine Tante und andere Verwandte meines Vaters zu besuchen. Leider verpasse ich dann immer wieder die beste Zeit, in Portugal an den Strand zu gehen. Aber das ist dann auch nicht so schlimm: Braun wird man in Portugal schließlich das ganze Jahr.

 

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