| Lehrer im Second Life |
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Den Musikunterricht halten die angesagtesten DJs der Welt, und in Sozialkunde geht’s innerhalb von Sekunden auf Exkursion zum Weißen Haus nach Washington D.C. Klingt utopisch, die Online-Welt „Second Life“ (siehe Kasten unten) macht’s aber möglich. Wie Lehrer das Web 2.0 für einen spannenden Unterricht einsetzen können, lernen sie in dem europäischen Online-Projekt „Muvenation“, das von der Uni Erlangen-Nürnberg mitbetreut wird. Das Kreidekratzen auf grünen Schultafeln und wegdösende Schüler könnten bald Geschichte sein: „Mit Web-2.0-Anwendungen wie Second Life kann der Unterrichtsstoff viel greifbarer vermittelt werden“, glaubt Peter Pürner. Wenn sich der Realschullehrer aus Kitzingen in der Cyber-Welt einloggt und mit seinen Schülern durch Second Life jettet, ist seine Klasse jedenfalls hellauf begeistert: „Das ist einfach ihre Welt, da lassen sie sich mitreißen“. Den Unterricht mit Second Life muss man sich so vorstellen: Mit seiner Spielfigur, genannt Avatar, kann Pürner innerhalb von Sekunden seiner Klasse jede beliebige Metropole dieser Welt zeigen, Museen, Workshops oder Vorträge besuchen oder sich mit Usern aus der ganzen Welt treffen. Es hat also nicht jeder einzelne Schüler seinen eigenen Avatar, sondern die Klasse begleitet über einen Beamer ihren Lehrer auf seinen virtuellen Reisen. Tangostunde mit Argentinierin Die argentinische Professorin und Peter Pürner aus Kitzingen sind beide Teilnehmer des Fortbildungsprojektes Muvenation. Muve steht für „Multi-Users Virtual Environments“ (Virtuelle Umgebungen für mehrere Nutzer), zu denen beispielsweise Second Life gehört. Ein Ziel des Programms ist es, Lehrer und Lehramtsstudierende in Second Life zu schulen und ihnen neue Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung zu vermitteln. Ursprünglich sollte das Angebot, das von der EU-Kommission gefördert wird, nur Lehrern aus Europa offenstehen. Über die Projekt-Homepage www.muvenation.org gab es aber so viele Anfragen, dass heute 107 Lehrer aus 26 Ländern daran beteiligt sind. Für die Muvenation-Seminare muss aber keiner der Teilnehmer teure Flüge ans andere Ende der Welt buchen: Sämtliche Veranstaltungen finden online in Second Life statt. In Spanien oder Italien hingegen sind es jeweils mehr als zwanzig. Rubenbauer vermutet, dass hierzulande noch zu viele Vorbehalte gegenüber neuen Technologien existieren: „Ich habe mit Lehrern gesprochen, die nicht verstehen konnten, warum Jugendliche auch noch in der Schule alles via Internet vermittelt bekommen sollten, wenn sie daheim doch eh ständig im Netz rumhängen.“ Lockmittel für Schulresistente Obwohl Pürner sich schon länger mit Second Life beschäftigt, ist Muvenation für ihn eine „wahnsinnig gute Ausbildung“. Rund 300000 Euro stehen für das zweijährige Projekt zur Verfügung. Pürner schätzt vor allem den Erfahrungsaustausch mit anderen Pädagogen. So könne er herausfinden, welche Online-Technologien für den Schuleinsatz besonders geeignet und effektiv sind. Der Einsatz von Web-2.0-Anwendungen kann aber auch kritisch betrachten. Rudolf Kötter vom Zentralinstitut für Angewandte Ethik und Wissenschaftskommunikation der Uni Erlangen-Nürnberg glaubt, dass die Beschäftigung mit virtuellen Welten den Jugendlichen Zeit stiehlt. Außerdem gingen ihnen Fähigkeiten verloren, um sich in der realen Welt zurecht zu finden. Die katastrophalen Auswirkungen machten sich schon jetzt darin bemerkbar, dass viele Schüler und Studierende Probleme hätten, komplexere Texte zu verstehen. Dennoch gehören Internet und virtuelle Welten heute einfach zu unserem Alltag dazu, räumt Kötter ein: „Die Schule muss sich diesen Entwicklungen stellen.“ Fortbildunen wie Muvenation sind seiner Ansicht nach also durchaus sinnvoll, denn sie vermitteln den Lehrkräften, wie sie Second Life und Co. ergänzend und gut portioniert im Unterricht einsetzen können. ANNA SCHLEINZER
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