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Wenig Schlaf und viel Stress verspricht das Frühstudium an der Uni Erlangen
Ihr habt das Abi zwar noch nicht in der Tasche, wollt aber schon mal Uniluft schnuppern? Das ist beim Frühstudium der Friedrich-Alexander-Universität möglich. Hier können Schüler an Vorlesungen teilnehmen und sich die erworbenen Leistungen später im „echten“ Studium anrechnen lassen. Wir haben mit drei Frühstudenten über ihre Erfahrungen gesprochen.
Als Jonas Oberhauser mit dem Frühstudium begann, war er in der 11. Klasse des Nürnberger Willstätter Gymnasiums und erst 15 Jahre alt. Im Wintersemester 2007 bewarb er sich für das Fach Informatik, weil er das später gerne studieren wollte. Für die Zulassung benötigte Jonas die typischen Unterlagen wie Lebenslauf, die letzten Zeugnisse, Empfehlungsschreiben von Lehrern – und ganz wichtig: die Einverständniserklärung, dass die Universität keine Verantwortung für schlechte Noten in der Schule übernimmt.
Jonas hat den Spagat zwischen Uni und Schule gut gemeistert, seine Noten wurden in der Zeit als Frühstudent sogar besser. „Aber es war stessiger als ich gedacht hätte“, gibt er zu. Teilweise verbrachte Jonas ganze Wochenenden damit, Informatik-Aufgaben zu lösen. Auch unter der Woche blieb nur wenig Zeit: Zweimal pro Woche fuhr er nach der Schule mit dem Bus von Nürnberg nach Erlangen, um in Vorlesungen zu gehen.
Dort machte ihm das öffentliche Verkehrssystem zu schaffen. „Ich bin am Anfang zu allen Veranstaltungen zu spät gekommen, habe dafür allerdings die Größe und Schönheit Erlangens kennengelernt“, erzählt er. Die Vorlesungen selber fand Jonas sehr spannend. Während die anderen Studenten Pac-Man spielten, hat er sich an den Diskussionsrunden beteiligt. „Ich hatte Glück, eine sehr schwach besetzte Vorlesung zu besuchen. Das ist persönlicher als große Seminare und man hat viel mehr Gelegenheiten zum Diskutieren.“
Obwohl Jonas die Tage an der Uni Spaß gemacht haben, fiel er abends immer vollkommen erschöpft ins Bett: vormittags Schule, dann Vorlesungen und am Abend eventuell noch Hausaufgaben — das kann ganz schön anstrengend sein. „Nach drei Wochen habe ich mich von der späteren Vorlesung abgemeldet“, sagt Jonas.
Die andere Vorlesung hat er am Ende des Sommersemesters 2008 erfolgreich abgeschlossen. Anderen würde Jonas das Frühstudium definitiv empfehlen: „Es ist ein wundervolles Lebensgefühl und ein toller Einblick in die Welt der Studenten.“
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Wie Jonas ist auch Miriam Düll über das Hochbegabtenmodell auf das Frühstudium aufmerksam geworden. 2008 hat die damals 17-jährige Schülerin des Friedrich-Alexander-Gymnasiums in Neustadt mit dem Studium angefangen. Ausgesucht hat sie sich das Fach Anglistik und hat darin den Grundkurs Culture sowie den Aufbaukurs Literature belegt.
„Ich war auf einem Schüleraustausch in Kanada und habe Englisch als Leistungskurs. Da dachte ich, Anglistik hilft mir bestimmt weiter“, begründet Miriam ihre Entscheidung.
Miriams Schule hat ihre Teilnahme am Programm unterstützt. Zum Beispiel durfte sie zeitiger aus der Schule gehen oder auch mal im Unterricht fehlen. Den Stoff musste sie allerdings nachholen; in Schulaufgaben und Exen wurde sie nicht anders bewertet als ihre Mitschüler. An ihrem Erfolg hat’s nichts geändert.
In der Schule hatte sie weiterhin gute Noten. Auch ihre Vorlesung schloss sie als eine der besten mit der Note 1,0 ab. Wie sie das geschafft hat? „Man darf keine zu hohen Ansprüche an sich selbst stellen. Außerdem ist die richtige Fächerwahl sehr wichtig. Sonst verliert man schnell die Motivation“, erklärt Miriam.
Den Spaß am Studium hat Miriam nicht verloren – dieses Jahr besucht sie Vorlesungen in Jura. „Jetzt bin ich 18 und kann selber Autofahren. Da muss ich nicht immer so ewig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren“, erzählt Miriam. Trotz dieser kleinen Hindernisse würde Miriam allen anderen das Frühstudium empfehlen. „Es macht wirklich viel Spaß und man lernt auch einiges dazu!“
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Jonas Pluschke hat erst im Oktober mit dem Frühstudium begonnen. Und zwar im Bereich Wirtschaftingenieurwesen. Dort geht er in die Vorlesung Internationale Politische Ökonomie. „Erst wollte ich Orientalistik nehmen“, erzählt Jonas, „aber das hat organisatorisch nicht mit der Schule hingehauen, weil die meisten Vorlesungen in diesem Fach vormittags waren. Ganz so viel darf ich in der Schule nicht fehlen“.
Zum Glück können die Frühstudenten aus einer Vielzahl von Fächern wählen, was sie studieren möchten. „So findet jeder das Richtige für sich“, sagt Torsten Brinda, einer der Koordinatoren des Frühstudiums und Professor der Informatik. Auch Jonas hat eine Alternative zu seinen ursprünglichen Wunsch gefunden.
Jonas ist erst 16 und geht in die 11. Klasse des Pirckheimer-Gymnasiums in Nürnberg. Neben 37 Wochenstunden und zusätzlichem Handballtraining ist das Frühstudium eine große Herausforderung, aber Jonas war sich diesen Anforderungen bewusst.
Gegenüber den anderen beiden Frühstudenten hat Jonas einen entscheidenden Vorteil: Seine Vorlesungen finden in Nürnbergs Innenstadt statt, so bleibt ihm der weite Weg nach Erlangen erspart. In der gewonnenen Zeit lernt er für die Schule oder trifft sich mit Freunden.
Bevor die Uni losging, hatte sich Jonas viele Gedanken über die bevorstehende Zeit gemacht. „Ich bin total gespannt, ob das so ganz anders ist als im Unterricht – das behaupten nämlich alle.“ Ob sich seine Erwartungen, Hoffnungen und vielleicht auch Wünsche bestätigen, wird Jonas in den nächsten Wochen herausfinden.
SASKIA SCHAROWSKY
Wer Interesse an einem Frühstudium an der Universität Erlangen-Nürnberg hat, kann sich unter www.fruehstudium.uni-erlangen.de darüber informieren.
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