„Wir wissen nicht, was aus uns wird“ PDF Drucken

Die Mittelschule kommt – und viele Schüler glauben, dass sie hier mehr lernen können als auf der Hauptschule. Foto: Schülerzeitung der Hauptschule AuerbachSchüler der Hauptschule Schwabacher Straße wollen in der Mittelschule einen besseren Abschluss machen

Aufzuhalten ist sie nicht mehr – die Mittelschule. Schon im kommenden Sommer könnte die Schulart in Bayern eingeführt werden, sagt das Kultusministerium, das für Bildung zuständig ist. Das würde einige Schüler in der Klasse 9a der Hauptschule Schwabacher Straße in Fürth freuen: Sie wollen in der Mittelschule einen besseren Schulabschluss machen.

 Sie diskutieren sich halb tot, die Politiker und Lehrer – über zusätzliche Schulstunden sprechen sie, über Nachmittagsbetreuung und über die Zusammenlegung von Schulen. Dabei „sollen die einfach nur schnell machen, es geht hier schließlich um uns. Wir wissen nicht, was nächstes Jahr aus uns wird“, sagt Marco. Er und seine Mitschüler machen im nächsten Schuljahr ihren Hauptschulabschluss. Gäbe es dann schon eine Mittelschule, hätten einige Schüler die Chance, länger auf der Schule zu bleiben und einen besseren Abschluss zu machen.

In der Mittelschule könnten Hauptschüler, die beim Quali einen Notendurchschnitt von 2,3 haben, einen Abschluss machen, der ungefähr gleichwertig mit der mittleren Reife ist.  „Wenn es die Mittelschule gäbe, würden viele Schüler mehr für den Quali tun. Das wäre ein Super-Ansporn“, meint Josh (16). Er will noch ein weiteres Jahr auf die Schule gehen, dann kann er sich länger überlegen, welchen Beruf er danach erlernen will. Zudem denkt er, dass in der Mittelschule „klügerer Stoff“ gelehrt wird. Aber leider gibt’s noch kein Gesetz, das vorschreibt, wie die neue Mittelschule genau aussehen soll. Wenn die Politiker nicht Gas geben, ist das nächste Schuljahr vorbei, und die Mittelschule gibt’s immer noch nicht. 

Dann müssten die Schüler der Schwabacher Straße auf eine Schule mit M-Zweig wechseln und dort die mittlere Reife erwerben. Oder sie müssten eine Ausbildung beginnen. „Für nächstes Jahr müsst ihr zwei Pläne entwickeln“, verlangt deshalb ihr Lehrer Stefan Herbst. Die Schüler sollen sich um einen Ausbildungsplatz kümmern und außerdem viel lernen, damit sie vielleicht auf die Mittelschule übertreten können. „Wenn ihr das nicht macht, geht ihr unter“, sagt Stefan Herbst.  

Damit sie nicht übergangen werden, sprechen die Schüler der 9a sogar mit Politikern: Sie haben ihre Meinung gesagt bei einem Dialogforum (einem Treffen zum Thema Mittelschule), an dem Vertreter aller Kommunen und Schulen teilnahmen.

Seyla (16) ist aufgestanden und hat dem Fürther Bürgermeister Thomas Jung und 200 anderen Erwachsenen erklärt, dass die Schüler jetzt schnell eine Mittelschule brauchen. Der Politiker und die Lehrer haben das verstanden. Die Schüler hoffen, dass die Erwachsenen ihnen jetzt schnell helfen.

DANIELA RAMSAUER

Infos:

Unter  dem Namen „Mittelschule“ will das bayerische Kultusministerium das Image der als oft „Restschule“ verrufenen Hauptschule aufpolieren: Eine Art „mittlere Reife für Praktiker“ soll das Aushängeschild der neu erfundenen Schulart sein.
Eine Mittelschule soll die drei berufsorientierenden Zweige Technik, Wirtschaft und Soziales anbieten. Sie soll – wie bisher die Hauptschule – den einfachen und den qualifizierenden Hauptschulabschluss („Quali“) anbieten. Daneben soll sie aber auch einen mittleren Schulabschluss ermöglichen.
Das Kultusministerium hat vorgeschlagen, dass sich verschiedene Schulen zusammenschließen, um so gemeinsam das gesamte Angebot machen zu können. Außerdem sollen die Berufsschulen, Wirtschaftsunternehmen aus der Region und die Arbeitsagentur mit ins Boot geholt werden.
Der Quali soll durch neue Prüfungsformate aufgewertet werden. Der Mittelschul-Abschluss in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch soll auf dem Niveau der mittleren Reife an der Wirtschafts- und Realschule liegen.
Zum Angebot der Mittelschule gehören Ganztagsbetreuung, Förderunterricht, Neigungsgruppen und Praxisfächer. Insgesamt soll sich der Unterricht mehr an der Berufspraxis orientieren, indem die Schüler zum Beispiel regelmäßige Betriebe besichtigen, Übungsfirmen aufbauen oder Praktika absolvieren. Schon ab der 5. Klasse sollen die Schüler gezielter als bisher gefördert werden. Ab der 7. Klasse beginnt dann die Vorbereitung auf die mittlere Reife.
Es gibt auch schon Schulen, die auf die künftige Neuerung vorbereitet sind. Noch aber fehlt der Mittelschule in Bayern die gesetzliche Grundlage. Wohl erst im Sommer wird der Landtag das entsprechende Gesetz beschließen.

Was haltet ihr von der „Mittelschule“? Ist sie Fluch oder Segen? Schreibt uns eure Meinung!

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