Die Hände diskutieren fleißig mit PDF Drucken

Nicht nur die Argumente zählen: In den Debatten kam es für Katharina und Jörn auch auf die Art des Vortrags an. Foto: MatejkaRegionalfinale von „Jugend debattiert“: Wer kann sich am besten gesittet zoffen?

Vor der Schulklasse oder gar vor Fremden frei reden – davor graut es vielen. Nicht so den Teilnehmern des Wettbewerbes „Jugend debattiert“: Eine heftige Diskussion ist ihnen lieber als jede Schulaufgabe, nervös werden sie nur in Ausnahmefällen. Zum Beispiel beim Finale für den Bereich Mittel- und Oberfranken, bei dem junge Leute aus 14 Schulen gegeneinander antraten.
Eine Schule so umzubauen, dass Rollstuhlfahrer überall hingelangen? „Das ist einfach zu teuer“, wettert Agnes Pelzel vom Melanchthon-Gymnasium aus Nürnberg. Die Hände der 15-Jährigen fahren aufgeregt durch die Luft, verärgert starrt sie ihre drei Diskussionspartner an. „Den pekuniären Faktor lasst ihr komplett außer Acht“, schiebt Agnes nach.

„Man darf doch Behinderte nicht einfach so abstempeln, als wären sie zu nichts zu gebrauchen“, wirft Jörn Prechtz vom Hochbegabtenmodell Mittelfranken ein. Mit Agnes’ Worten ist er nicht einverstanden, die Empörung über ihre Äußerungen treibt ihm die Zornesröte ins Gesicht. Vor lauter Wut verliert er in der Gesprächsrunde zum Thema „Sollen Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam unterrichtet werden?“ den Faden. Er vergisst, den über 100 Schülern, die der Diskussion in einem Hörsaal der Uni Erlangen-Nürnberg beiwohnen, zu erklären, warum er für einen gemeinsamen Unterricht ist.

Jeweils in Vierer-Gruppen diskutieren die Finalisten aus den Klassen 8 bis 10 und den Jahrgangsstufen 11 bis 13 über ein Thema, das sie zehn Tage vor dem Wettbewerb erfahren haben. Bei ihrem Vortrag soll es ihnen gelingen, sich sachlich und fair mit Streitfragen des täglichen Lebens auseinanderzusetzen. Damit das klappt, haben sie zuvor im Internet und in Büchern recherchiert, Argumente ausgearbeitet und diese zu Hause immer wieder laut vorgesprochen.

Zu viele Fremdwörter

Ganz so reibungslos wie in den vertrauten vier Wänden läuft es dann vor der großen „Jugend debattiert“-Zuhörerschaft nicht mehr. Weil sie sich so sehr auf ihre Worte konzentrieren müssen, blicken Katharina Freiß und Jörn meist aufs Rednerpult statt mal ins Publikum. Agnes verwendet zu viele Fremdwörter, und Tabea Zimmermann nimmt sich selbst den Wind aus den Segeln, indem sie ihre Diskussionsgegner lobt, dass auch die „sehr viele gute Argumente haben“.

Der vierköpfigen Jury, bestehend aus Eltern, Schülern und Lehrern, entgeht das nicht: Bei Jörn bemerkten sie, dass er „emotional ist und deshalb manchmal nicht in der Lage, seine Aussagen zu einem logischen Abschluss zu bringen“. Jörn landet am Ende auf Platz 3. Agnes holt „nur“ Platz 2, weil sie „zu viele Floskeln verwendet“. Im April darf sie trotzdem, gemeinsam mit Katharina, der Siegerin der Klassen 8 bis 10, nach München. Hier messen sich dann Bayerns beste Debattanten. Den Wortgewandtesten dort winkt ein Einzug ins Bundesfinale, bei dem es ein Rhetorikseminar im Kloster Volkenroda in Thüringen zu gewinnen gibt.

Die Finger nach dem Gewinn leckt sich auch Fabian Scherer, der in der zweiten Diskussionsrunde (Jahrgangsstufe 11 bis 13) Platz 1 geholt hat. „Rhetorik im Seminar, frei reden, das macht doch Spaß!“, meint der Schüler des Hochbegabtenmodells Mittelfranken und ergänzt: „Auch im Unterricht sind mir Referate lieber als Exen.“

DANIELA RAMSAUER

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