Was wird aus dem englischen Bücherwurm? PDF Drucken

28 eifrige Vorleser traten beim Englisch–Lesewettbewerb gegeneinander an — Einige sahnten richtig ab

Vor vielen unbekannten Gesichtern laut vorzulesen, das ist schwer. Englische Texte vorzulesen, ist noch schwerer. Deshalb waren die Finalisten beim Englisch-Lesewettbewerb Mittelfranken der Deutsch–Britischen Gesellschaft Nürnberg besonders aufgeregt. Aber die Mühe hat sich für die Sieger gelohnt. Und englische Bücher zu lesen, lohnt sich sowieso immer, behaupten zumindest die Bücherwürmer.

Lars Mehlig ist nervös. Bevor er zu lesen beginnt, wirft er seinen Kopf in den Nacken, atmet tief durch und schaut verlegen auf die vielen Zuhörer. Dabei ist der 13-jährige Fußball-Fan eine große Kulisse gewohnt: Er spielt in mehreren Jugendauswahlen und steht stets unter Beobachtung.

 

Was ihm beim Vorlesen auf der Bühne fehlt, weiß er genau: „Mein Team und mein Fußball.“ Und trotzdem meistert er den Text aus „The Hobbit“ von J.R.R. Tolkien gut. Dass er das Wort „consider“ nicht korrekt („konsidder“) ausspricht, sondern stattdessen „konseida“ vorliest, ist halb so wild. Auch die andern Teilnehmer stolpern bei dem unbekannten Wort. Trotzdem ist Lars froh, dass das Vorlesen keine 90 Minuten dauert, sondern nur knapp fünf.

Taschengeld für die Gewinner

28 Schüler mittelfränkischer Gymnasien haben wie Lars beim Englisch-Lesewettbewerb aus ihren liebsten englischen Büchern vorgelesen. Und auch unbekannte Texte, wie im Finale „The Hobbit“, müssen die Bücherwürmer meistern. Aus all den Vorlesern, die bereits an ihren Schulen die besten Siebt- und Achtklässler im Englisch-Lesen waren, hat die Jury acht Finalisten ausgewählt. Diese müssen wie Lars noch einmal auf die Bühne.
Lars erreicht am Ende Platz sechs. Besser ist Aaron Opitz: Der Weißenburger vom Werner-von-Siemens-Gymnasium hat flüssiger als seine Konkurrenten vorgelesen und wird deshalb Erster. Mit einem verschmitzten Lächeln nimmt er seinen Preis (200 Euro) entgegen. Für seine Schule bekommt er bald noch eine Plakette mit seinem Namen darauf.

Auch die anderen Gewinner sahnen ab: „Ich wusste nur, ich komme her, und ich gewinne Geld“, berichtet Finalist Kian Schmalenbach rotzfrech. Für seinen dritten Platz erhält Kian 150 Euro für sich plus 100 Euro für seine Schule, das Gymnasium Stein. Damit sollen Bücher für die Englisch-Bibliothek gekauft werden. Für die ersten sechs Plätze spendet ein Sponsor das Geld für die neue Lektüre.

Was sie mit dem Geld machen wollen, haben Kian und Aaron sich noch nicht genau überlegt. Aaron will es vielleicht zur Bank bringen, „weil es dann noch mehr wird“. Was sie mit gutem Englisch alles machen können, wissen die englischen Bücherwürmer dagegen schon ziemlich gut.

Die sechs besten Vorleser beim Englisch-Lesewettberb: Lars Mehlig, Svenja Plannerer, Marlene Rüdinger, Antonia Schumacher, Kian Schmalenbach und der Erstplatzierte Aaron Opitz (von links). Foto: Roland HuberEnglisch für Hollywood

Emeline Sisalem aus Rückersdorf zum Beispiel will Schauspielerin werden. Und wenn man in Hollywood erfolgreich sein will, „dann muss man gut Englisch sprechen können“, weiß die Zwölfjährige. Entsprechend hat sie sich vorbereitet: mit dem Buch zum Kinofilm „Twilight“.
Mit Sprachen kommt Emeline gut klar, ihre Mutter ist immerhin Französin. „Dass ich schon lange französisch spreche, hilft mir natürlich beim Vokabelnlernen.“ Zum zweiten Mal ist sie zum Englisch-Lesewettbewerb angetreten, leider hat es für sie wieder nicht ins Finale gereicht. Trotzdem will sie weiter englische Literatur lesen, „denn die Sprache ist einfach schön“, erklärt sie. Und für die Traumkarriere kann sie die gut gebrauchen.

Englisch zum Unterhalten

Benötigen wird auch Svenja Plannerer vom Emmy-Noether-Gymnasium in Erlangen ihre guten Englisch-Kenntnisse. Die Siebtklässlerin kann sich nämlich gut vorstellen, einmal Englisch zu unterrichten. „Mit der Sprache kann ich mich außerdem auch international verständigen: Englisch spricht man ja auf der ganzen Welt“, findet Svenja. Und selbst wenn jemand nur wenige Worte kann, dann „lässt es sich auf Englisch einfach besser erklären“.
Speziell vorbereiten musste sie sich für den Lesewettbewerb übrigens nicht: „Ich lese einfach immer, so viel ich kann.“ Denn lesen bildet, egal ob auf Deutsch oder in einer Fremdsprache.

Englisch für den FC Liverpool

Mit Englisch kann man aber am meisten anfangen, finden die Schüler. Kai Klede aus Fürth liest gerne auf Englisch, damit er auch Filme im Original anschauen kann — und besser versteht. Andrea Stosic vom Erlanger Ohm-Gymnasium versteht durch die Leserei die Liedtexte ihrer Lieblingsbands besser.

Und Lars Mehlig? Der Eckentaler will besser Englisch sprechen für den Beruf. Bei seinen Wünschen kann er das auch gut gebrauchen: Lars will Profi-Fußballer werden! Und gerne würde er dann bei seinem Lieblingsverein spielen, dem FC Liverpool aus der englischen Liga.

TIMO SCHICKLER

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