Jungs und Mädchen als Flugzeugbauer PDF Drucken

Im Marienbergpark lassen die Schüler ihre Modellflugzeuge fliegen. Foto: Stefan HippelHandwerkliches Geschick + etwas Physik + sportlicher Einsatz = Modellfliegen als Unterrichtsfach

Nachmittags freiwillig länger in der Schule bleiben? Für Jacob, Adrian, Ina, Nadja und ihre Klassenkameraden keine Frage. Denn in ihrem „Lernen ++“-Kurs am Nürnberger Johannes-Scharrer-Gymnasium werden sie in einem Fach unterrichtet, das es sonst nie im Stundenplan gibt: Flugzeugbau.

Jürgen Hofmann war genervt. Genervt, dass bei seiner Tochter ständig Unterricht ausfiel. „Ich habe gedacht: Macht doch in Vertretungsstunden was G’scheits.“ Gesagt, getan. Nach einigen Gesprächen mit der Stadt Nürnberg gibt der Architekt nun bereits im zweiten Jahr Kurse im Modellflugzeug-Bau am Scharrer-Gymnasium.

„Von der Hand in den Kopf“ ist sein Motto. „Ich will den Kindern was Handwerkliches beibringen – und Hintergrundwissen. Es kann ja keiner mehr Werkzeug vernünftig halten“, sagt er. Also wird im Werkraum der Schule jeden Dienstagnachmittag gesägt, gefeilt, geklebt – und mit viel Geduld geholfen, verbessert und repariert. Zehn Fünftklässler haben sich diesmal für den Flugzeug-Kurs angemeldet, und alle sind mit Feuereifer Flugzeugbauer.

Dabei ist es gar nicht so leicht, aus dem federleichten Balsaholz mit einem Bastelmesser die Rippen für die Tragflächen genau auszuschneiden, mit Stecknadeln zu fixieren und anschließend mit nicht zu viel (!) Holzleim zwischen die Holme zu kleben.

Bei Jacob (11) tropft Leim vom Flügel – er muss nachbessern. „Leute, geht sparsam mit Leim um“, mahnt Jürgen Hofmann, „der wiegt was. Wir wollen aber möglichst leicht bauen. Denn je leichter euer Flieger ist, desto besser sind die Flugeigenschaften.“

82 Zentimeter breit spannen sich die Flügel der fertigen Flieger. Foto: Michael Matejka82 Zentimeter Flügelspannweite hat der fertige Flieger – und wiegt dabei nur 70 Gramm! Auch wenn das Modell, das Jürgen Hofmann für seine Schützlinge ausgewählt hat, ein ganz simples ist („idiotensicher und vor allem leicht zu reparieren“), gibt es doch viele Parallelen zu echten Flugzeugen.

Unsauber geschliffene Tragflächen lassen den Flieger schlingern, mit krummen Flügeln macht er dauernd nur eine Kurve – und wenn der Schwerpunkt nicht stimmt, kracht er mit Nase oder Leitwerk voran geradewegs in den Boden, erklärt Jürgen Hofmann den Schülern die Physik, die hinter ihrem Flugmodell steckt. Also füllen die Schüler Bleikügelchen durch ein Loch in die Nase ihres Fliegers und rücken die Tragflächen an die richtige Stelle des Rumpfes, bevor es zum Jungfernflug in den Marienbergpark geht.

KRISTINA BANASCH 

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