Elf auf einen Streich PDF Drucken

alt Erlanger FOS hat ein Comenius-Projekt mit halb Europa

 

Bislang gab es „nur“ einen Schüleraustausch mit einer finnischen Schule an der der Erlanger Fach- und Berufsoberschule. Dann kam eine Anfrage einer Schule aus einem kleinen Ort nahe der griechischen Stadt Thessaloniki. „Die wollten ein Geschichtsprojekt – nicht zuletzt aufgrund der schrecklichen Erfahrungen mit dem Holocaust in ihrem Ort“, erzählt Lehrer Christian Altmann. Im Oktober startete das Comenius-Projekt „Conflicting past – common future“ – und mit an Bord sind Schulen aus elf europäischen Ländern.

 

Durch das gemeinsame Arbeiten an einem Thema sollen die Jugendlichen erfahren, welche Einstellungen und Vorurteile in der Vergangenheit zu Konflikten geführt haben – und wie man sie in Zukunft vermeidet. Verschiedene Kulturen im vereinten Europa schätzen lernen, so die Devise.

Das erste Treffen der Projektpartner fand in Erlangen statt. Das Thema beim Besuch der Gäste aus Griechenland, Litauen und Portugal: der Nationalsozialismus. Neben Besichtigungen im Dokuzentrum und im Erlanger Stadtmuseum standen auch Präsentationen der Schüler-Gruppen auf dem Programm. Alles auf Englisch natürlich. „Das ist Voraussetzung für alle, die mitmachen wollen“, erklärt Lehrer Christian Altmann, „die Jugendlichen müssen mit ihrem Englisch könnenmehr als Small-Talk.“ Das müssen sie auch, um mit den europäischen Partnern mithalten zu können: „Mir ist ganz krass aufgefallen, dass die Litauer super Englisch sprechen“, sagt Laura Gumbrecht (20).
Dass sich die Erlanger Jugendlichen viel Mühe gegeben und ihre europäischen Gäste mit großen, im Kunstunterricht gestalteten Plakaten und landestypischer Deko im Schulhaus empfangen haben, wurde belohnt: „Ich denke, das Bild von uns Deutschen hat sich geändert“, meint Kerstin Dierke (18), „denn manche haben schon gedacht, wir wollen mit anderen Kulturen nichts zu tun haben.“

altHumorlos, superreich und hochnäsig

Skeptisch waren anfangs auch die Gastgeschwister in Rumänien, als die Deutschen zum Besuch anrückten. „Meine Austauschpartnerin hat sich richtig Sorgen gemacht, als sie hörte, dass ich eine Deutsche bin“, erzählt Tanja Wahl (16). „Sie wollte erst nicht mit mir in ihrem Zimmer schlafen.“ Humorlos, geizig, superreich und deshalb hochnäsig – so haben manche Rumänen die Gäste aus Deutschland erwartet. Aber auch die Erlanger Jugendlichen hatten falsche Vorstellungen. „Ich hatte die schlimmsten Vorurteile und dachte, die haben da nicht mal gepflasterte Straßen“, gesteht Tanja. Auch Mitschülerein Yvonne Mazkaly (17) wurde überrascht: „Meine Gastschwester hatte sogar zwei Handys.“

Der Widerstand im Kommunismus war das Thema der Begegnung – und die Besichtigung eines Gefängnisses für politisch Andersdenkende für die Erlanger ein bewegendes Erlebnis. Bewegend fand Jasmin Kraus (19) auch den Empfang der Partner im spanischen Arcos de la frontera. „Die ganze Familie war da und hat mich abgeholt. Und als sie merkten, dass ich Spanisch kann, waren sie noch begeisterter!“ Laura und Tanja haben ebenfalls besondere Erfahrungen mit ihren spanischen Gastfamilien gemacht: Der einen wurden Hausschuhe gekauft, die andere von der Gastmutter wie eine Tochter geküsst.

Doch eagl ob anfängliche Skepsis oder Begeisterung: Am Ende der Treffen flossen Tränen. Die neuen Freundschaften werden per Mail und über Facebook weiter gepflegt – und bei allen hat sich ein beruhigendes Gefühl im Bauch festgesetzt. „Ich habe den Eindruck, dass unsere Generation die Geschichte gut Bescheid weiß“, meint nicht nur Laura. Und Lehrer Christian Altmann fasst zusammen, was seine Schützlinge denken: „War man einmal bei Comenius dabei, kann man sich kaum vorstellen, an einem gewöhnlichen Schüleraustausch teilzunehmen.“

KRISTINA BANASCH
 

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