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Siebtklässler berichten über das Leben von Ureinwohnern aus verschiedenen Ländern
Eine ganz besondere Studienfahrt hat in diesem Jahr die Klasse 7 der Freien Waldorfschule Wendelstein unternommen: Sie hat eine Woche im Wildniscamp am Falkenstein im Nationalpark Bayerischer Wald verbracht. Dort wurden mitten in den Wald hinein Originalbehausungen aus Chile, Brasilien, Venezuela, Vietnam, Sibirien und der Mongolei gebaut. In diesen Hütten wohnten die Siebtklässler und lebten wie die Menschen vor Ort. Außerdem lernten sie die Sitten, Bräuche und Tagesabläufe der Ureinwohner dieser Länder kennen. Dabei halfen ihnen Betreuer, die entweder direkt aus dem jeweiligen Land kamen oder dort längere Zeit gelebt haben. Hier berichten die Waldorfschüler für euch, was sie über „ihre“ Länder erfahren haben.
Vietnam - Mongolei - Chile - Sibirien - Venezuela - Brasilien
Vietnam
Wir haben die Woche über in einem vietnamesischen Langhaus gewohnt, das aus dem Tam-Dao-Nationalpark stammt. Die Hütte steht auf Stelzen – so sind die Menschen in den Sumpfgebieten vor Hochwasser und wilden Tieren geschützt. Das Dach des Hauses ist mit Palmen bedeckt, so dass es im Sommer nicht so heiß darin wird. Im Winter hingegen können die Bewohner im Inneren der Hütte Feuer machen; durch ein Loch im Dach zieht der Rauch ab.
Die Holzhütte besitzt einen Eingang und einen Ausgang, damit die Leute beim Rein- und Rausgehen nicht zusammenstoßen. Geschlafen wird auf dünnen Reismatten auf dem Boden. Die Einrichtung ist sehr karg; viele Familienmitglieder müssen auf engem Raum miteinander auskommen.
Traditionell tragen die Vietnamesen lange schwarze Kleider und große runde Hüte – so wie auf dem Bild oben. Zur Begrüßung prostet man sich mit beiden Händen zu. Übrigens gibt es bei den Vietnamesen einen interessanten Brauch: Die erste Einladung darf man nicht annehmen, denn das gilt als unhöflich. Erst eine zweite Einladung kommt von Herzen und man kann ihr folgen.
THILO, SEBASTIAN, MORITZ, MATTHIAS, SANDER, JULIAN, JOSCHA, RASMUS
Mongolei
In der Mongolei leben die meisten Menschen noch immer in Behausungen, die Ger genannt werden. Das sind runde Zelte mit einem flachen Dach. In etwa fünf Stunden können sie auf- oder abgebaut werden – denn die Mongolen sind Nomaden. Wenn sie von einem Ort zum nächsten ziehen, transportieren sie ihre Häuser und die komplette Einrichtung auf Eseln und Pferden.
Die Innenwände der Ger sind mit gefilzter Schafswolle ausgekleidet, deren Geruch wahrlich etwas gewöhnungsbedürftig ist. Die Außenwand besteht aus festem, hellem Stoff. Ausgestattet sind die Hütten mit Tischen und Hockern, Bett- und Kleiderkisten aus Holz. Für die Nachtruhe gibt es eine feste Ordnung: Die Rangniedrigeren schlafen näher an der Eingangstür, die Ranghöheren weiter drinnen im Raum.
Die Mongolen sind sehr gastfreundlich: Wer zu Besuch kommt, erhält als erstes einen etwas sonderbaren Tee, der wie geschmolzene Butter mit Salz schmeckt. Übrigens wird dieser Tee auch als Suppe benutzt; dann kommen Nudeln oder Fleisch hinein.
Den Tee darf man nicht ablehnen, denn das gilt als unhöflich. Und wer anklopft, auf die Türschwelle tritt oder den Türrahmen berührt, von dem heißt es, er bringt Unglück.
In der Mongolei wird viel Fleisch gegessen, sogar Pferdefleisch. Um es weich zu bekommen, legen die Menschen es unter ihren Sattel und reiten darauf. Da es sehr kalt werden kann, tragen die Menschen dicke Kleidungsstücke, die mit bunten Borten und Bändern verziert sind.
NICOLAS, RUBEN, JAKOB, THILO, JONAS, MIKE
Chile
Wir haben uns eine Woche lang in Mapuches verwandelt. Das ist eine Gruppe der Ureinwohner Chiles, die in Rukas leben. Die ovalen Holzhütten sind dick mit Stroh bedeckt und sehen von außen sehr gemütlich und schön aus. Doch drinnen war es recht dunkel und kalt! Auf dem Steinboden gab es eine Feuerstelle, um die herum Hocker standen. Oft sitzen die Chilenen aber einfach auf dem Boden. Geschlafen haben wir auf einer etwas erhöhten Plattform aus Holz – und auf vielen, vielen Decken.
Die Mapuches tragen Ponchos aus Wolle. Sie machen sehr viel Musik und haben eine besondere Trommel für Feste. Bei den Festen trinken die Leute einen ganz besonderen Tee, den Mate-Tee. Er ist sehr stark und schmeckt recht bitter, doch man darf ihn nicht ablehnen, wenn man eingeladen ist. Der Tee wird immer wieder herumgereicht, bis der Gast wirklich nichts mehr möchte.
Wenn bei den Mapuches jemand krank ist, wird eine Heilerin geholt. Die übrigen Leute tanzen in einem Kreis außen herum. Jeder Mapuche-Stamm wird von einer Frau angeführt. Sie heißt Machi (gesprochen Matschi) und gibt das Kommando. Um als Machi ernannt zu werden, muss man eine Prüfung bestehen.
SINJA, LEA-LU, EVA, ANNE, KAROLINE, LISA, ELISA
Sibirien
Unser sibirisches Zelt wird Tschum genannt. Es sieht aus wie ein Indianerzelt. Durch eine Öffnung im Dach kann der Rauch abziehen, denn alle Tschums haben innen eine Feuerstelle. Geschlafen wird auf Rentierfellen, die gut wärmen. In Sibirien wird es nämlich sehr, sehr kalt – bis zu minus 70 Grad im Winter!
Die Kinder gehen nur im Winter zur Schule; oft müssen sie weite Wege zurücklegen. Im Sommer gehen sie mit ihrer Mutter zum Beerensammeln. Mit bis zu 40 Grad plus kann es da unerträglich heiß werden. Bei solchen Temperaturen gehen Kinder und Erwachsene gern schwimmen in einen der vielen sibirischen Seen.
Ihr Spielzeug stellen die Kinder selbst her aus Eichhörnchen- oder Rentierfellen oder aus Holz. Gern spielen sie mit großen Holzstäben so etwas Ähnliches wie Mikado, nur komplizierter. Im Winter sind Schlittenrennen sehr beliebt.
Ein besonderer Brauch in Sibirien ist es, im Winter einen Bären während des Winterschlafes zu erlegen. Er wird mit Gold, Ketten und Schleifchen geschmückt und auf einen Altar gelegt. Bei einem Bärenweibchen wird dann fünf Tage und Nächte gefeiert, bei einem Männchen vier Tage und Nächte. Im Kerzenlicht wird ununterbrochen um den Bären herumgetanzt.
LEONIE, NELE, CRISTINA, EVA, MAIKE
Venezuela
Im Naturschutzgebiet Paria in Venezuela wohnen die Menschen in so genannten Cabannas. Das sind Hütten, die aus Holz und „Cana Brava“ (verwandt mit Zuckerrohr) aufgebaut werden. Das Gestell wird mit Kokosnussschalen gedämmt und mit Lehm verputzt. Da die Hütten sehr klein sind, schlafen die Menschen – oft wohnen Kinder, Eltern und Großeltern zusammen – in Hängematten. Diese werden tagsüber abgehängt, damit mehr Platz ist. Kinder und Erwachsene spielen gern Domino!
Einer der vielen Bräuche ist die Feier zum „Tag der schwarzen Barlovento“. Er wird jedes Jahr am 23. Dezember gefeiert. An diesem Tag beten die Menschen die Götter an und verkleiden sich. Sie tragen rote Anzüge und Tiermasken und führen wilde Tänze vor.
BRUNO, JONATHAN, JAKOB, JEREMIAS, JOHANNES
Brasilien
Durch Brasilien schlängelt sich der bis zu fünf Kilometer breite Fluss Amazonas; viele Menschen leben in Hütten an seinem Ufer. Natürlich gibt es auch Städte mit Wolkenkratzern – aber wir haben das Leben der Ureinwohner kennengelernt. Sie wohnen in Holzhäusern, die von einer Terrasse umgeben sind. Von dort aus führt ein Steg zum Boden. So schützen sich die Menschen vor Hochwasser, wenn der Amazonas mal wieder über die Ufer tritt.
Das Dach unserer Hütte war mit Palmen gedeckt; das rauschte schön im Wind. Wie gemütlich! Geschlafen wird in Hängematten – als Schutz vor den Schlangen, die sich oft unbemerkt durch die Häuser schlängeln. Manche Brasilianer halten sich aber auch Hausboas gegen Mäuse.
Der brasilianische Regenwald ist einer der artenreichsten Regionen unserer Welt. Dort leben seltene Tiere wie Ameisenbären, Brüllaffen, bunte (und giftige) Baumfrösche, Kaimane, Kakadus, Jaguare, Flussdelfine. Wer im Amazonas schwimmen will, muss eine besondere Vorsichtsmaßnahme beachten: Selbst mit einer kleinen Wunde sollte man sich vom Wasser fernhalten – denn sonst ist man vor den Piranhas nicht mehr sicher.
MIRJAM, REBEKKA, SALINA, MATTEA, MARIE-THERES, MARIELLA
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