Quark reicht nicht — auch Bewegung muss sein! PDF Drucken

Die US-Raumfähre Columbia im November brachte 1983 zum ersten Mal das europäische Weltraumlabor Spacelab ins All. M;it an Brod war der deutsche Astronaut Ulf Merbold (im Vordergrund). Am 5. Dezember ist Merbold zu Gast bei einer Osteoporose-Tagung in Erlangen und berichtet, wie sich Astronauten in der Schwerelosigkeit fit halten. Foto: APWie kann man der Osteoporose vorbeugen? Der Astronaut Ulf Merbold berichtete auf einer Tagung in Erlangen

Was haben ein Pathologe, zwei Sportwissenschaftler und ein Astronaut gemeinsam? Das ist klingt wie der Anfang eines Witzes, ist aber eine durchaus ernste Frage. Denn die Genannten trugen wesentlich zu einer Tagung über Osteoporose bei, die in Erlangen stattfand.


Osteoporose ? Betrifft doch nur alte Menschen! Richtig — und doch völlig falsch: Denn ob man die Krankheit, die auch als Knochenschwund bezeichnet wird, als älterer Mensch bekommt, hängt im Wesentlichen vom eigenen Verhalten in jungen Jahren ab.

Falsche Ernährung und wenig Bewegung führen zum Abbau von Muskelmasse – und dadurch werden zwangsläufig auch die Knochen mit abgebaut. Sie werden mit der Zeit morsch und brüchig. Und nicht nur das: Wenn Muskeln und Knochen schwächer werden kommen häufig Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes Typ II und Kreislaufbeschwerden hinzu.

Der Erlanger Pathologe Prof. Hans-Jürgen Pesch bezeichnet die Osteoporose als „überflüssige Krankheit“. Sie kann durch eiweiß- und calciumreiche Ernährung verhindert werden.
Quark oder Fruchtzwerge allein reichen allerdings nicht aus! Auch Bewegung ist wichtig im Kampf gegen die Osteoporose. Denn heutzutage ist über die Hälfte der Kinder übergewichtig und hockt meist den ganzen Tag vor einem Bildschirm.

„Wir sind verweichlicht“, meint Pesch und weist auf die „Digital Natives“ hin, die kaum noch von ihren digitalen Medien getrennt werden können, anstatt auf Bäume zu klettern oder Fußball zu spielen. So verkümmern ihre Muskeln – und dadurch mit der Zeit ebenso ihre Knochen.
Und hier kommt der Astronaut ins Spiel. Auf ihn wirken in der Schwerelosigkeit keine Kräfte. Mit ihm passiert also das Gleiche wie mit dem Fettsack, der den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzt. Für die Extremsituation im All wurden also spezielle Trainingsprogramme entwickelt, um der Osteoporose entgegen zu wirken. Hierzu kann der frühere Astronaut Ulf Merbold mehr erzählen. Denn er war als erster Nicht-US-Bürger auf einer Mission der Nasa dabei und hat insgesamt schon 55 Tage im All verbracht.

Wie man die Osteoporose jedoch auf der Erde verhindern kann, das wissen Prof. Klaus Engelke und Simon von Stengel vom Institut für Medizinische Physik in Erlangen. Die beiden haben sportwissenschaftliche Programme entwickelt, die sich aus einer Kombination von leichten Ausdauereinheiten und intensivem Krafttraining zusammensetzen. Denn indem man Muskeln aufbaut, werden die Knochen gestärkt und somit die Osteoporose vermieden.

Wer also im Alter nicht mit einem krummen Rücken rumlaufen will, weil bei ihm wegen der Osteoporose ein paar Lendenwirbel gebrochen sind, sollte vorbeugen – rechtzeitig. jetzt:

LISA SOLLFRANK
 

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