Künstliche Epilepsie gegen Depression PDF Drucken

Prof. Wolfgang Sperling demonstriert an einem Patienten die Behandlungsmethode der transkraniellen Magnetstimulation. Foto: Psychiatrische Uni-Klinik Neues Stimulationszentrum an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Erlangen

Wenn Pillen gar nicht mehr wirken und keine Psychotherapie mehr richtig weiter kommt, können schizophrene beziehungsweise depressive Patienten unter Umständen nur noch mit speziellen Geräten behandelt werden. Das komplette moderne Spektrum auf diesem Gebiet bietet Nordbayerns erstes Stimulationszentrum an der Psychiatrischen Universitätsklinik (Direktor: Prof. Johannes Kornhuber) in Erlangen an. 

„Hier können wir Patienten, die unter Depressionen und Schizophrenien leiden, wirkungsvoll mit modernsten Stimulationsverfahren behandeln“, sagt Prof. Wolfgang Sperling, Leiter des Zentrums, für das jetzt eigens neue Räume eingerichtet wurden. „Die angewandten Verfahren gehören zu den wirksamsten Therapieformen und führen auch in schwierigen Krankheitsfällen zu deutlichen Verbesserungen für die Betroffenen.“

Momentan werden drei Verfahren angeboten, die alle von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden: die Elektrokrampftherapie (EKT), die transkranielle Magnetstimulation (TMS) und die Vagusnerv-Stimulation (VNS). Die drei Methoden bauen aufeinander auf. Zunächst probieren es die Mediziner mit der EKT. Erst wenn damit keinerlei Besserung erzielt wird, kommen die beiden anderen Methoden zum Einsatz.

Bei der EKT geht es, vereinfacht gesagt, um Elektroschocks. Mittels zweier Elektroden an den Schläfen wird durch den Kopf der Patienten (in Vollnarkose!) ein elektrischer Strom geschickt. „Die dadurch im Gehirn ausgelösten, künstlichen epileptischen Anfälle können schwere Schizophrenien oder Depressionen durchaus lindern“, erklärt Sperling.

In Erlangen werden jährlich etwa 60 Patienten so behandelt. Ungefähr 100 sind es bei der zweiten Methode, der TMS. Dabei werden mit Hilfe von starken Magnetfeldern bestimmte Gehirnbereiche stimuliert oder gehemmt. Die Wirkung ist ähnlich wie bei der EKT. 

Bei der dritten und jüngsten Behandlungsmethode, der VNS, wird dem Patienten ein elektrischer Pulsgenerator unter die Haut im Brustbereich implantiert. Von dort führt ein Kabel zu Elektroden, die auf Höhe des Halses um den Nervus vagus – einen wichtigen Nerv, der vom Gehirn zu den inneren Organen führt – geschlungen werden. Der Pulsgenerator wird schnurlos von außen mit einem Computer programmiert. Bisher bekamen am Erlanger Uni-Klinikum 22 Patienten ein solches System implantiert. 

Durch die Einrichtung des neuen Zentrums mit vier eigenen Betten für stationäre Patienten, so Sperling, „können wir jetzt mehr Patienten behandeln als bisher“ – was die Wartezeiten erheblich verkürzen soll.

hlo

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