Kampf gegen Entzündungen und Tumore PDF Drucken

 In einer sogenannten „sterilen Bank“l untersucht Claudia Günther, wie bestimmte Zellen in einer künstlich angelegten Kultur wachsen. Foto: Roland HuberNeues Forschungszentrum in Erlangen beschäftigt sich mit Erkrankungen von Darm, Leber und Lunge

Ein neues Zentrum für Molekulare Entzündungs- und Tumorforschung wurde an der Uni Erlangen-Nürnberg offiziell eröffnet. Die Wissenschaftler dort wollen die Grundlagen für die Entstehung bestimmter Krankheiten entschlüsseln, um neue Ansätze für die klinische Behandlung zu entwickeln.

Claudia Günther ist in Mainz aufgewachsen, hat dort studiert und ist der dortigen „Fasenacht“ zutiefst verbunden. Die wird sie dieses Jahr in Erlangen vermissen.
Ansonsten hat die Doktorandin noch keine Minute bereut, vom Rhein an die Regnitz gewechselt zu sein. „Es war ein schwerer Schritt für mich, Familie und Freunde in Mainz zurückzulassen“, sagt Claudia, „aber die Verlockungen der tollen Arbeitsmöglichkeiten hier in Erlangen waren doch zu groß“.


Claudia gehört zum Gefolge von Prof. Markus Neurath, der im vergangenen Jahr die Nachfolge von Prof. Eckhart Hahn als Direktor der Medizinischen Klinik I am Erlanger Universitätsklinikum angetreten hat. „Die Perspektiven für molekulare medizinische Forschung sind hier so hervorragend, dass viele Mitarbeiter von Prof. Neurath von Mainz nach Erlangen mitgekommen sind“, erklärt Privatdozent Christoph Becker, der die Forschungsabteilung der Medizinischen Klinik I leitet.


Zu den Lockmitteln hat auch das neue Zentrum gehört, das die Uni aus Eigenmitteln für etwa drei Millionen Euro in Modulbauweise auf dem Gelände der Uni-Hautklinik bauen ließ. Der Neubau ist die Keimzelle für das künftige „Translational Research Center (TRC)“, in dem Wissenschaftler verschiedener Fächer an gemeinsamen klinischen Fragen arbeiten sollen. Dazu werden in direkter Nachbarschaft des neuen Forschungsgebäudes weitere ähnliche Einheiten für andere Erlanger Uni-Klinken folgen.


In dem Zentrum der Medizinischen Klinik I arbeiten derzeit zehn Arbeitsgruppen auf insgesamt etwa 800 Quadratmetern. „Wir suchen nach Ansätzen zur Diagnose und Therapie von chronisch entzündlichen Erkrankungen insbesondere des Darms, der Leber und der Lunge“, erläutert Becker. „Daneben erforschen wir grundlegende Mechanismen von Tumorerkrankungen in den genannten Organen und untersuchen die Immunabwehr bei Infektionen“.


Claudia Günther soll in ihrer Doktorarbeit den genauen Ursachen für entzündliche Darmleiden wie Morbus crohn und Colitis ulcerosa auf die Spur kommen. „Man weiß inzwischen, dass solche Krankheiten entstehen, wenn die dichte Barriere, die von den sogenannten Epithelzellen in der äußersten Schicht der Darmwand gebildet wird, Löcher bekommt“, erklärt sie. „Dann können Giftstoffe und Bakterien in die tieferen Schichten der Darmwand eindringen.“


Claudias Aufgabe ist es nun, die Gene herauszufinden, die dafür verantwortlich sind, dass die Epithelzellen schneller als üblich kaputt gehen. Auf diese Weise lassen sich vielleicht Wirkstoffe entwickeln, die verhindern, dass die Darmwand Löcher bekommt. Es wäre eine Hoffung für viele Patienten.

Lothar Hoja
 

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